»Montezuma« Tragödie für Musik - Inhalt des Trauerspiels (Libretto 1755)

»Die verschiedenen Unternehmungen und Eroberungen der Spanier in dem durch den berühmten Christophorum Columbum währender Regierung des Königs Ferdinandi und der Königin Isabella von Spanien entdeckten West-Indien sind in der Historie zur Gnüge bekannt. Besonders war die Unternehmung des Ferdinando Cortes in Mexico eine der merckwürdigsten. Der damahls regierende Kayser von Mexico, Montezuma, erlaubte den Spaniern auf guten Glauben, den Eintritt in sein Reich; aber, er spürte hernach allzuspät die Wirckung eines gar zu leichtgläubigen Vertrauens, und einer unzeitigen Großmuth, als die ihm das Leben kostete. Das betrübte Ende dieses guten Monarchen, welcher der Grausamkeit und dem Geitze seiner Gäste barbarischer Weise aufgeopfert wurde, hat also den Stoff zu diesem Trauerspiele gegeben.«

I. Akt



I, 1, Kaiserlicher Garten: Der Aztekenkaiser Montezuma bekennt sich im Dialog mit seinem Bedienten Tezeuco zu Regierungsmaximen, die von Gerechtigkeit und Liebe zum Volk geprägt sind. Seine Hochzeit mit Eupaforice, der Königin von Tlascàla, steht bevor. General Pilpatoè berichtet von der Ankunft der spanischen Eroberer und äußert die Befürchtung, es werde zu einer kriegerischen Auseinandersetzung mit ihnen kommen. Montezuma fühlt sich jedoch sicher und überlegen. In der Arie »Somiglia il buon monarca« stimmt Tezeuco das Lob des guten Herrschers an. Montezuma stellt ähnliche Überlegungen aus seiner Perspektive an. In der Arie »Non saprei curare il vanto« geht er sogar so weit, sich als Vater seiner Untertanen zu stilisieren.

I, 2: Pilpatoè berichtet von den Ankömmlingen: Er habe deren Anführer die Freundschaft Montezumas angeboten und bereits Geschenke gemacht, die mit großer Habgier entgegen genommen worden seien. Auch sei er sich nicht sicher, ob es sich um Menschen oder Götter handle. Montezuma beruhigt Pilpatoè, der sich Sorgen macht, weil benachbarte Völker bereits unterworfen wurden.

I, 3: Im Monolog des Pilpatoè wird deutlich, dass er Montezuma zu wehrhaftem Handeln bewegen möchte. Davon handelt auch der Text der Arie »Vegga, che alfin gl’impone«.

I, 4, Verwandlung, Gemächer der Königin: Eupaforice, Montezumas Braut, teilt Pilpatoès Sorgen. Ihre Vertraute Erissena versucht sie jedoch zu beruhigen und erinnert sie in der Arie »Godi l’amabile presente istante« an das Glück ihrer Liebe zu Montezuma.

I, 5: Montezuma und Eupaforice versichern sich ihrer gegenseitigen Liebe. Dabei betont Eupaforice, dass der Gedanke, ihr Reich mit dem des Montezuma zu vereinen, keine Rolle spiele, sondern dass sie sich allein durch die Liebe leiten lasse. Diesem Gefühl verleiht sie Ausdruck in der Arie »Ah immaginar non puoi«.

I, 6: Pilpatoè meldet, dass ein Abgesandter der Spanier Montezuma zu sprechen wünsche, und warnt vor den Fremden. Montezuma erklärt jedoch, er werde ihnen mit Mitleid und Güte begegnen.

I, 7: Von Narves erfährt Montezuma, dass Cortes ihn treffen möchte. Montezuma lässt ihn zu sich einladen. Die Arie »Vedrai fra queste mura« des Narves beschreibt die kriegerischen Spanier.

I, 8: Pilpatoè bekräftigt seine Warnungen, doch Montezuma bricht auf, um Cortes entgegen zu gehen. In der Arie »Se il dovere« nimmt er gefühlvollen Abschied von seiner Braut.

I, 9: Erissena kann Eupaforices Befürchtungen nicht zerstreuen. Deren Arie »Non an calma le mie pene« handelt von den Sorgen, die ihr die Liebe eingibt.
Der Akt endet mit einem Ballett von Schiffsleuten.
Fassung von 1771: Ballett von Tlascalanern aus dem Gefolge Eupaforices.

II. Akt



II, 1, großer Platz: Im Dialog zwischen Cortes und Narves wird deutlich, dass die Spanier in einer Mischung aus Habgier und religiösem Fanatismus die Mexikaner unterwerfen wollen. Cortes betont, dass er dabei Falschheit und Verstellung anwenden werde.

II, 2: Der arglose Montezuma begrüßt Cortes mit großer Freundlichkeit. Er lädt ihn und sein Gefolge zu den Hochzeitsfeierlichkeiten in seinen Palast ein. Die Szene beginnt und endet mit einem Willkommens-Chor des Volkes (»Venite, intrepidi stranieri eroi«), das den Spaniern Geschenke verheißt.

II, 3: Auf Sekondarier-Ebene – zwischen Tezeuco und Narves – wiederholt sich, was sich schon zwischen Montezuma und Cortes abgespielt hat: Die eine Seite erweist Gastfreundschaft (Arie des Tezeuco: »Passaggero, che tenta la sorte«), die andere hört nicht auf sich von ihrer aggressiven Seite zu zeigen (Arie des Narves: »Noi fra perigli«).

II, 4: Pilpatoè äußert in einem Monolog wiederum seine Skepsis darüber, ob es richtig sei, den Fremden so vertrauensvoll zu begegnen wie Montezuma (Arie »Erra quel nobil core«).

II, 5: Die Spanier greifen die Azteken unvermittelt an. Dazu ertönt eine Kriegsmusik (»guerriera sinfonia«). Cortes offenbart seinen Plan, Eupaforice für sich zu gewinnen, um durch die Verbindung mit einer Mexikanerin seine Stellung gegenüber dem Volk zu stärken.

II, 6: Montezuma erkennt, dass Cortes ihn überrumpelt hat. Cortes beruft sich auf seinen Gott.

II, 7: Im Dialog mit Cortes beschreibt Montezuma seine menschenfreundliche Religion. Cortes erwähnt die Idolatrie und die Menschenopfer der Azteken. Es werden unterschiedliche Herrschafts- und Religionsauffassungen deutlich. Montezuma kann keinen Gott akzeptieren, der Grausamkeiten befiehlt. Von Cortes provoziert, greift er ihn mit dem Degen an und wird festgenommen. Cortes fordert Montezuma mit der Arie »Benchè superbo e vano« auf, seinen Widerstand aufzugeben. Der Aztekenherrscher antwortet mit einer Arie, die seine Unbeugsamkeit zum Ausdruck bringt: »Del mio destin tiranno«.

II, 8: Eupaforice kommt hinzu, Montezuma wird abgeführt.

II, 9: Cortes umwirbt Eupaforice mit der Arie »Quando al vago tuo sembiante« und droht ihr an, sie werde ihr Leben verlieren, wenn sie sich ihm verweigere. Doch Eupaforice bekräftigt ihre Abscheu gegen den Eroberer (Arie »Barbaro, che mi sei«). Cortes beschließt, ihr noch etwas Zeit zu lassen, in der Hoffnung, sie werde ihre Entscheidung überdenken.

II, 10: Narves meldet Cortes, dass die Mexikaner eine Rebellion vorbereiten.

II, 11: Eupaforice beschließt, mit der Hilfe von Pilpatoè und Tezeuco den Aufstand zu organisieren.

II, 12, Verwandlung, im Kaiserlichen Garten: Eupaforice beauftragt Pilpatoè damit, das Volk zu bewaffnen. Sie selber will es anführen und in der Nacht einen Anschlag wagen. Tezeucos Arie »Secondin gli dei« verleiht der Hoffnung Ausdruck, dass die Aktion gelingen möge.

II, 13: Erissena und Eupaforice bekräftigen das Gesagte. Erissena fühlt sich durch Eupaforices heroisches Handeln ermutigt (Aria »Da te impara«). Eupaforice drückt ihre Abscheu vor den Eroberern aus (Arie »L’onor del soglio offende«). Der zweite Akt schließt mit einem Ballett von Mexikanern.
Fassung von 1771: Ballett von Spaniern.

III. Akt



III, 1, Gefängnis: Montezuma beklagt in einem Accompagnato-Rezitativ sein Los. Es mündet in die Arie »Ah, d’inflessibil sorte«, die unvermittelt abbricht, als Eupaforice das Gefängnis betritt. Sie hat Montezumas Wächter bestochen und will ihn zur Flucht bewegen. Die Liebenden versichern sich im Duett »Ah sol per te, ben mio« ihrer Gefühle.

III, 2: Erissena überbringt die schlechte Nachricht, dass die Pläne zum Aufstand verraten wurden.

III, 3: Narves berichtet vom Gemetzel der Spanier. Eupaforice überredet den zunächst noch zögernden Montezuma zur Flucht.

III, 4, Verwandlung, großer Hof mit Säulen: Die Spanier haben den Aufstand der Mexikaner niedergeschlagen. Cortes verurteilt Pilpatoè zum Tode.

III, 5: Montezuma und Eupaforice, deren Fluchtplan vereitelt wurde, stehen vor Cortes. In der Arie »Sì, per la rea congiura« tobt er seine Wut aus. Er stellt Montezuma vor die Wahl, seinem Glauben abzuschwören und auf Eupaforice zu verzichten oder in den Tod zu gehen. In ihrer Arie »Mostro, che sol respiri« klagt Eupaforice den Spanier wegen seiner Greueltaten an. Montezuma lässt sich zur Hinrichtung abführen, nachdem er in der Arie »Sì, corona i tuoi trofei« Heldenmut im Untergang gezeigt hat. Eupaforice rechnet in einem Accompagnato- Rezitativ mit dem Spanier ab. Sie hat den Befehl gegeben, die Stadt in Asche zu legen, um den Eroberern die Beute zu entziehen, und erdolcht sich vor Cortes’ Augen. Cortes befiehlt seinen Leuten die Plünderung der Stadt – im Namen des Christengottes.
Im abschließenden Ballett versuchen die Spanier sich der mexikanischen Frauen zu bemächtigen; diese verteidigen sich. Der Chor des fliehenden Volkes »Oh cielo! oh giorno orribile« fleht die Götter um Hilfe an.
Fassung von 1771: Ballett mexikanischer Sklaven und Sklavinnen.

(Ruth Müller-Lindenberg)

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