Das Werk Montezuma

Exponat-Nr. 40: Giuseppe Galli Bibiena: Berechnung einer Jahresgage auf der Rückseite einer Entwurfszeichnung, 1754

Feder mit brauner Tinte
38,3 x 26,5 cm
© Staatliche Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz
Kunstbibliothek

Lipp-HdZ 5133 verso


Der italienische Theaterarchitekt und Dekorateur Giuseppe Galli Bibiena kam 1753 als Chefbühnenbildner an den preußischen Hof. Schon seit 1750 hatte er, damals noch in Dresden engagiert, für die Oper Friedrichs II. gearbeitet. Er gehörte in Berlin zu den Spitzenverdienern. Diese Tatsache belegt das hohe Renommee der Theaterarchitektur. Sie zeigt aber auch, dass es Friedrich II. darum ging, die besten Künstler Europas an seinen Hof zu holen.
Das ausgestellte Blatt ist von beiden Seiten beschriftet: Auf der einen Seite befindet sich die Entwurfszeichnung für ein Bühnenbild zu Grauns Oper Semiramide, die 1754 an der Königlichen Oper aufgeführt wurde. Auf der anderen Seite führt Giuseppe Galli Bibiena seine Verpflichtungen auf und leitet daraus die Höhe seiner Jahresgage ab. In der Liste finden sich die Ausgaben für den Barbier und den Perückenmacher, aber auch für Holz, Mahlzeiten und für den Unterhalt der Kinder.
Bei seinem Dienstantritt in Berlin 1753 bekam Giuseppe Galli Bibiena ungefähr das Dreieinhalbfache von dem, was sein Vorgänger Innocente Bellavita verdient hatte: 2.400 Taler jährlich (Bellavita: 700 Taler). Zum Vergleich: Die höchsten Gagen erhielten die Tänzerin Barbarina , einige berühmte Kastraten und die Primadonna Giovanna Astrua : Die Barbarina brachte es auf die Spitzengage von 7.000 Talern pro Jahr. Die Astrua verdiente mit 4.700 Talern so viel wie der Kastrat Carestini und etwas mehr als Felice Salimbeni (4.400 Taler). Am sächsischen Hof wurde kein Darsteller mit mehr als 4.000 Talern entlohnt. Damit übertrumpfte also die preußische Hofoper die Rivalin in Dresden.
Die Mitglieder der Hofkapelle kamen schlechter weg: Hofkapellmeister Carl Heinrich Graun und Johann Joachim Quantz , der Flötenlehrer des Königs, hatten Grundgehälter von 2.000 Talern. Sie konnten diese jedoch durch Zulagen aufbessern. Hofcembalist Carl Philipp Emanuel Bach bekam zunächst 300 Taler im Jahr und erst 1755 eine ordentliche Zulage.
Diese Zahlen lassen sich nur dann sinnvoll zuordnen, wenn man sie in Beziehung zu den Lebenshaltungskosten in Berlin setzt: Eine Übernachtung im ersten Hotel am Platze kostete 2 Taler, ein Pfund Butter 6 Groschen (24 Groschen waren ein Taler), eine Portion Suppe mit Fleisch 3 Groschen, ein Glas Branntwein 1 Groschen und eine Portion Kaffee 4 Groschen.
(Ruth Müller-Lindenberg)

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