Das Werk Montezuma

Exponat-Nr. 41: Inventaire des habits de l’opéra | Kostüm-Inventar der Oper  | © GStA / Bildstelle

Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz
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I. HA Geheimer Rat, Rep. 36 Hof- und Güterverwaltung, Nr. 2627, S. 29


Die Kostüme des höfischen Theaters orientierten sich eher an der Mode der Zeit als an der Handlung des Stückes. Grundelement für männliche Darsteller war der habit romain, ein kurzer Rock. Er wurde durch Attribute ergänzt, die zur jeweiligen Rolle passten, etwa durch einen Hirtenstab oder einen Halbmond im Haar. Auf diese Weise ließen sich die Kostüme – genau wie die Bühnenbilder – wieder verwenden.
Um den Überblick über alle brauchbaren Opernkleider und Accessoires zu wahren, ließ der Directeur des Spectacles, Maximilian Baron von Sweerts, im Auftrag des Königs 1754 ein Inventar mit allen für die Oper und die Komödie seit 1742 gefertigten Kostümen anlegen. Jedes Kleidungsstück ist in seinen Details, Stoff und Farbe genau beschrieben. Auch der Name des Sängers oder der Sängerin bzw. der Rolle, für die es gefertigt wurde, ist vermerkt. Weil viele der Opern, die in Berlin gezeigt wurden, in der römischen Antike angesiedelt sind, war es einfach und kostensparend, einzelne Kostümteile in Kombination mit neu hergestellten Kleidungsstücken für unterschiedliche Rollen zu nutzen. Die Roben und Gewänder, die man vollständig wiederverwendete, sind im Inventar ebenso verzeichnet wie alte und unbrauchbare Kostüme, die man als Material für neue hernahm.
Für die Oper Montezuma bekam das gesamte Bühnenpersonal neue Kleider. Die Garderobe der Statisten wurde zum Teil aus alten Opernkleidern geschneidert. Die phantasievoll-exotischen Kostüme für die Amerikaner sollten dem Publikum eine Vorstellung vom fernen Mexiko vermitteln.
Der Kostümbildner ließ für den Darsteller des Montezuma ein ›mexikanisches‹ Gewand aus goldenem Tuch herstellen, geschmückt mit roten, weißen und schwarzen Federn, mit silbernen Stickereien, Perlen und Juwelen. Für Eupaforice entwarf er ein Kostüm aus marineblauem Satin, reich mit Silber und Juwelen verziert. Ähnlich prachtvolle Gewänder trugen die anderen Darsteller. Überhaupt bevorzugte man glänzende Stoffe, die das Kerzenlicht reflektierten. Als Materialien fanden beispielsweise Seide, Samt und Gaze Verwendung, und die Kostüme trugen Pailletten, Perlen, Juwelen, bei den Mexikanern auch bunte Federn. Bei ihren Kleidern dominierten helle, kräftige Farbtöne. Die Spanier dagegen waren dunkel gekleidet und dadurch für die Zuschauer als »die Bösen« erkennbar.
Dies alles hatte seinen Preis: Der Jahreslohn eines Theaterschneiders betrug etwa am sächsischen Hof in Dresden 100 Taler, die Stickerei eines Frauenkostüms für eine dort aufgeführte Oper kostete jedoch das Zweieinhalbfache. Aus König Friedrichs Zeiten sind keine Kostüme erhalten: Zu oft brannten Theater samt ihrem Fundus ab, Motten fraßen sich in die Gewänder und natürliche Abnutzung tat das Ihre dazu.
(Ulrike Eberle / Ruth Müller-Lindenberg / Claudia Terne)


Literatur
Schlechte, Katrin: »›Da nun der Vorrath der Theater Garderobbe sehr ansehnlich ist‹ Bühnenkostüm, Fundus und Ausstattungspraxis am Dresdner Hoftheater «, in: Claudia Schnitzer und Petra Hölscher: Eine gute Figur machen. Kostüm und Fest am Dresdner Hof (Ausst. Dresden 2000). Dresden: Verlag der Kunst, 2000. S. 46–55.

Purrucker, Barbara: »Das Bühnenkostüm des Barock «, in: Bert Siegmund (Hrsg.): Gestik und Affekt in der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Michaelstein: Stiftung Kloster Michaelstein, 2003 (Michaelsteiner Konferenzberichte 63). S. 65–84.

Terne, Claudia: Ein königlicher Impresario und Librettist. Friedrich II. von Preußen
als Förderer und Mitgestalter der Hofoper in Berlin und als Verfasser des Librettos der Oper »Montezuma«
. Mag.-Arbeit, Berlin, 2003 (unveröffentlicht).

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