Das Werk Montezuma

Exponat-Nr. 44: Friedrich II. an seine Schwester, Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth (Brief, ohne Datum (ca. 16. April 1754)) | © GStA / Bildstelle

Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz
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BPH, Rep. 47 König Friedrich II., Nr. 305–10
(Lettres du Roi, 1753 –1755), fol. 19 Vs


Mit diesem Brief sendet Friedrich der Schwester seinen Textentwurf zu Montezuma und fragt sie, ob sie das Stück nicht mit ihrer französischen Sprechtheatergruppe in Bayreuth aufführen könne, um auf diese Weise zu prüfen, ob es gelungen sei. Er weist besonders darauf hin, die übliche Da-capo-Arie weitgehend durch Cavatinen ersetzt zu haben.

Originaltext

»Ma tres chere Soeur. Je prens la liberté de metre a Vos pieds un Mexsiquain qui n’est pas encore toutafait ...de crassé je lui ai apris a parler français, il faut apresent quil aprene L’Italien, mais avans que de Lui donnér cette pene je vous suplie de me dire Naturelement Votre sentiment et si Vous Croyéz quil merite qu’on Lui donne ce soin; La plusparc des airs sont faits pour ne point etres repetéz il n’y a que deux airs de L’Empereur et deux d’eupaforis qui sont destinéz pour L’Etre, je ne sai Coment Vous trouveréz le tout ensemble L’enchainement des Scenes, Le Dialogue et L’Interet que j’aurois Voulû y faire regnér, mais Comme rien ne presse je pourai changér facilement ce que Vous y trouverais a redire; il seroit meme facile de jugér de L’Efet que le Spectacle peut produire, Vous avéz une admirable troupe françaisse il n’yauroit qu’a la lui faire representér dans Votre chambre quand meme chaqun ne ferait que Lire son role (…)«
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Übersetzung

»Liebste Schwester! Ich erlaube mir, Dir einen Mexikaner zu Füßen zu legen, der noch nicht ganz kultiviert ist. Ich habe ...ihm Französisch beigebracht; jetzt soll er Italienisch lernen. Ehe ich mir aber diese Mühe gebe (eigentlich: ehe ich ihn aber dieser Mühe unterziehe), sage mir bitte offen, ob es sich lohnt. Die Mehrzahl der Arien soll kein Dakapo erhalten; nur die zwei Arien des Kaisers und der Eupaforice sind dazu bestimmt. Ich weiß nicht, wie Du das Ganze, die Szenenfolge, den Dialog findest und ob es mir gelungen ist, die Handlung spannend zu gestalten. Da aber die Sache nicht eilt, könnte ich das, woran Du etwas auszusetzen hast, leicht ändern. Die Wirkung des Stückes ließe sich sogar leicht erproben. Da Du eine vorzügliche französische Theatertruppe hast, braucht sie es nur in Deinem Zimmer aufzuführen, auch wenn die Rollen nur abgelesen werden.«

(Übersetzung nach VOLZ 1926, S. 266 f.)
(Ruth Müller-Lindenberg)

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Literatur
Volz, Gustav Berthold (Hrsg.): Friedrich der Große und Wilhelmine von Baireuth. Band II: Briefe der Königszeit 1740–1758 . Hrsg. und eingeleitet von Gustav Berthold Volz, deutsch von Friedrich von Oppeln-Bronikowski. Berlin und Leipzig: K. F. Koehler, 1926.

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Gelesen:
Exp.-Nr. 44, Exp. Nr. 52-57, Exp.-Nr. 70

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