Das Werk Montezuma

Exponat-Nr. 48: Carl Friedrich Fechhelm: Bühnenbild zur ersten Szene des dritten Aktes von »Montezuma«, 1755

Öl auf Leinwand
90 x 110 cm
© Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Fotothek
GK I 12008 | F0015107
Fotograf: Wolfgang Pfauder


Dieses Gemälde des Theatermalers Carl Friedrich Fechhelm (1725–1785; vergleiche Exp.-Nr. 47 ) zeigt die einzige erhaltene Darstellung eines Bühnenbildes zur Montezuma-Aufführungsserie von 1755: das Gefängnis (prigione) zu Beginn des III. Aktes. Dort befindet sich der Aztekenkaiser Montezuma, nachdem er von Cortes verhaftet wurde. Fechhelm entstammte einer Künstlerfamilie. Er war der Sohn Johann Friedrich Fechhelms; seine Brüder waren Carl Traugott, Christian Gottlob und Georg Friedrich. Ursprünglich Schüler von Adam Oeser, wurde er von Giuseppe Galli Bibiena in Dresden in der Theatermalerei ausgebildet und folgte ihm 1754 nach Berlin. Dort arbeitete er mit ihm bis 1756 zusammen.
Der Entwurf des Bühnenbildes dürfte direkt auf Giuseppe Galli Bibiena (Vgl. Exp.-Nr. 10 ) zurück gehen. Es handelt sich dabei nicht um eine Arbeitsgrundlage für die Szenographie, sondern offenbar um ein Auftragsgemälde.
Die Kerker- oder Gefängnisszene war ein Topos des Dramma per musica, und es bildete sich auch ein szenographischer Typus heraus. Dabei war stets zu bedenken, dass in den Kerkern herrschaftliche Personen einsaßen. Es durften also keine Schreckensorte dargestellt werden. Vielmehr musste auch das Gefängnis vom hohen Rang seiner Insassen Zeugnis ablegen.
Die Version von Bibiena / Fechhelm wirkt eher wie ein Innenhof. Francesco Algarotti zeigte in seinem Reformtraktat Saggio sopra l’opera in musica (Exp.-Nr. 19 ) kein Verständnis für solche aus seiner Sicht verniedlichenden Darstellungen. Im Kapitel über das Bühnenbild bemängelte er, dass man ein Gefängnis häufig nicht von einer Galerie oder einem öffentlichen Platz unterscheiden könne.
Ganz harmlos ist Bibiena / Fechhelms Gefängnis jedoch nicht: Gotisierende Architekturelemente weisen auf ein barbarisches Zeitalter hin und damit auf die Schrecknisse, die an einem solchen Ort zu erwarten sind. Unverkennbar ist die Verwandtschaft des Bühnenbildes mit Kerker-Darstellungen von Giovanni Battista Piranesi (siehe Exp.-Nr. 58 ). Die erste Version dieser fiktiven Carceri entstand um die Jahrhundertmitte und ist deutlich beeinflusst von entsprechenden Bildern in Giuseppe Galli Bibienas Stichsammlung Architetture, e prospettive, die in den 1740 er Jahren erschien (siehe Exp.-Nr. 13 ). Ein Detail, das wiederum auf Piranesi verweist, ist die über Montezumas Kopf hängende Ampel. Sie sieht einer sogenannten »Antenna« zum Verwechseln ähnlich. Das war ein häufig von Piranesi dargestelltes Folterinstrument: Man zog den Gefangenen mit einer Seilwinde in die Höhe, um ihn dann unvermittelt abstürzen zu lassen.
(Ruth Müller-Lindenberg)


Literatur
Miller, Norbert: Archäologie des Traums. Versuch über Giovanni Battista Piranesi. München: Hanser, 1978.

Gavuzzo-Stewart, Silvia: Nelle Carceri di G. B. Piranesi. Leeds: Northern University Press, 1999 (Italian perspectives 2).

Spitzer, Gerd (Hrsg.): Barock und Klassik: Kunstzentren des 18. Jahrhunderts in der Deutschen Demokratischen Republik. Schallaburg, 1984. (Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums, Neue Folge, Bd. 146). Wien, 1984.

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