Das Werk Montezuma

Exponat-Nr. 55: Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth an ihren Bruder, König Friedrich II. (Brief vom 24. Mai 1754) | © GStA / Bildstelle

Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz
© GStA / Bildstelle
BPH, Rep. 46 König Friedrich Wilhelm I., W17,
Bd. III, 5 (1754), fol. 19 Vs/Rs


Wilhelmine berichtet dem Bruder, dass sich die Aufführung von Montezuma als Sprechtheaterstück wegen der Erkrankung einer Schauspielerin noch verzögere (vergleiche Exp.-Nr. 54 ). Sie schließt Betrachtungen über den Charakter der Eupaforice an, der dem Zeitgeist weiblichen Verhaltens ganz und gar entgegengesetzt sei.

Originaltext

»(L) a Maladie de la Fleury retarde encore (19 Vs) la represantation de Montezuma. Le beau Sexe vous a bien ...des obligations mon tres cher Frere puis quil Brille dans votre Opera. La Reine de Tascalteque est une vraye Heroïne sans foiblesse et pleine de fermeté et de ressource. Mais je retracte Les obligations dont je viens de parler. N’y auroit t’il point un peu de malice de votre part mon cher Frere de donner un Caractere si opposé a votre Reine de ceux des Femes d’aujourdhui. Je crains quelle restera une Reine de Theatre et que bien loing de faire rougir nos petites Maitresses nos Coquetes et nos precieuses, elle la considereront come un monstre Inconnu sorti des Deserts de la Libie. Pouroit on balancer un moment si ce cas arrivoit dans le Siecle ou nous sommes. Je ne dis pas de se (19 Rs) tuer (car on est trop bon Chretien pour y penser) mais de mettre seulement le Feu au rouge, au pompons, et au mouche, ou de favoriser Cortez. Non sans doute ce Heros ne seroit point dedaigné, et peut etre accumuleroit ces parures pour lui plaire. Ces belles refflexions me mettent en colere contre mon sexe; puisse t’il puiser dans votre Opera d’autre maximes que celles quil pratique. Pour moi je sens que L’amitïe pouroit faire les memes miracles sur moi que sur L’heroïne Mexique. Je sens que si j’avois le malheur de vous perdre rien ne pouroit m’obliger a vous survivre, et que le desespoir me tiendroit Lieux de Courage.«
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Übersetzung

»Durch die Krankheit der Fleury wird die Aufführung des Montezuma noch hinausgeschoben. Das schöne Geschlecht ist Dir viel Dank schuldig; ...denn es kommt in Deiner Oper glänzend weg. Die Königin von Tlascala ist eine echte Heldin ohne Schwäche, voller Standhaftigkeit und um Mittel nie verlegen. Aber ich widerrufe alles. Es war vielleicht nur eine kleine Bosheit von Dir, der Königin einen Charakter zu verleihen, der dem der heutigen Frauen so entgegengesetzt ist. Ich fürchte, sie wird eine Theaterkönigin bleiben, und unsere kleinen Weibchen, unsere Koketten und Preziösen werden, anstatt über sie zu erröten, sie für ein unbekanntes Untier halten, das aus der libyschen Wüste kommt. Könnte man, falls in unserem Jahrhundert der Fall einträte, einen Augenblick schwanken, wenn auch nicht sich zu töten (denn dazu sind wir zu gute Christen), so doch Schminke, Schönheitspflästerchen und Flitterstaat ins Feuer zu werfen oder Cortez zu erhören? Nein, gewiss würde dieser Held nicht verschmäht werden, und vielleicht würde man nur noch mehr Schmucksachen anlegen, um ihm zu gefallen. Diese schönen Betrachtungen erregen meinen Zorn gegen mein Geschlecht; möge es aus Deiner Oper andere Grundsätze schöpfen, als es heute befolgt! Ich persönlich fühle, dass die Freundschaft bei mir die gleichen Wunder wirken könnte wie bei der mexikanischen Heldin. Hätte ich das Unglück, Dich zu verlieren, so könnte mich nichts zwingen, Dich zu überleben.«


(Übersetzung nach VOLZ 1926, S. 269 f.)
(Ruth Müller-Lindenberg)

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Literatur:
Volz, Gustav Berthold (Hrsg.): Friedrich der Große und Wilhelmine von Baireuth. Band II: Briefe der Königszeit 1740–1758 . Hrsg. und eingeleitet von Gustav Berthold Volz, deutsch von Friedrich von Oppeln-Bronikowski. Berlin und Leipzig: K. F. Koehler, 1926.

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