Das Werk Montezuma

Exponat-Nr. 62: »Montezuma« (Libretto zur Wiederaufnahme der Oper, 1771)


MONTEZUMA / TRAGEDIA PER MUSICA / DA RAPPRESENTARSI / NEL / REGIO TEATRO DI BERLINO / PER ORDINE / DI SUA MAESTÁ IL RE / NEL / CARNOVALE / DEL / MDCCLXXI / Con licenza di Sua Maestà. / BERLINO, / Appresso HAUDE E SPENER 1771.
Montezuma, / ein / musikalisches Trauerspiel / welches, auf / Sr. Königl. Maj. In Preussen / allergnädigsten Befehl / auf dem / Berlinschen Schauplatze, / währendem Karneval / des 1771ten Jahrs / aufgeführet werden soll. / Mit allergnädigster Freyheit./Berlin,/bey Haude und Spener, 1770.


© Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz
Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv

1 in: Mus T. 49 | Titelblatt und S. 128 f.


Im Karneval 1770/71 wurde Montezuma 16 Jahre nach der Premiere ein zweites Mal in Szene gesetzt. Aufführungen gab es am 7., 11., 14., 18. und 21. Januar. Nur zwei Darsteller, die 1755 mitgewirkt hatten, waren noch dabei: Antonio Uberti, genannt Porporino, und Giovanna Gasparini. In der Version von 1771 ist der Text der Rezitative in einer Reihe von Szenen gestrafft; Druckfehler wurden bereinigt und Gallizismen getilgt. Eine Tendenz lässt sich in der Überarbeitung nicht feststellen. Wer die Veränderungen vorgenommen hat, ist unklar, da kein Hofdichter genannt wird und Giampietro Tagliazucchi, der Friedrichs II. französisch-sprachigen Prosaentwurf zu Montezuma 1754 in italienische Verse gesetzt hatte, bereits 1763 verstorben war.
Auf jeden Fall hat sich die Aufführungsserie des Jahres 1771 von derjenigen von 1755 in den jeweils am Aktschluss platzierten Tänzen unterschieden: Als Autor der letzteren nennt das erste Libretto den königlichen Ballettmeister Jean Baptiste Denis, 1771 stammten die Ballette von dessen Nachfolger Franciscus Salomon.

1755 1771
I. Akt »Ballet von Schifs-Leuten« »Ballet von Tlaskalanern aus dem Gefolge der Königin«
II. Akt »Ballet von Mexicanern« »Ballet von Spaniern«
III. Akt »Die Spanier laufen zur Plünderung. Die Täntzer mischen sich in Spanischer Kleidung unter die Soldaten, plündern die Stadt, und bemächtigen sich der Mexicanischen Frauen, die sich vertheidigen, und sehr lebhafft ein Ballet formiren, welches sich mit dem Chor anhebet, so das Mexicanische Volck singet, das erschrocken und in Verwirrung die Flucht nimmt.« »Die Spanier laufen zur Plünderung; es singet ein Chor von Mexicanern, welche hernach bestürzt die Flucht ergreifen. Hierauf siehet man die Stadt brennen und Mexicanische Sklaven, und Sklavinnen tanzen ein Ballet.«

Warum es in der ersten Version ein Ballett von Seeleuten gab, lässt sich vielleicht aus dem 1754 angefertigten Kostüminventar (Exp.-Nr. 41, S. 65) erklären: Daraus geht hervor, dass solche Kostüme (»Mattelots«) für das zwölfköpfige Corps de ballet und für die Solisten bereits vorhanden waren.
(Ruth Müller-Lindenberg)


Online Lesen
Graun, Karl Heinrich/ Friedrich II., Preußen, König: Montezuma. Berlin, 1771.

Weiterführende Literatur - Online
Ivaldi, Armando Fabio: »›Eine Berliner Blaue Legende‹: Il Montezuma di Federico II e Carl Heinrich Graun«, in: Maria Grazia Profeti und Donatella Pini (Hrsg.): Leyendas negras e leggende auree. Firenze: Alinea Editrice, 2011 (secoli d’oro 62). S. 289 –313 .

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