Das Werk Montezuma

Exponat-Nr. 71: Friedrich II. von Preußen: Textbuch zur Oper »Silla« in französischer Sprache (Reinschrift des Entwurfs mit handschriftlichen Eintragungen Friedrichs II.) | © GStA / Bildstelle

Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz
© GStA / Bildstelle
I. HA, Rep. 96 C Sammlung Itzenplitz, Nr. 7 | Titelblatt, S. 3 und S. 28f.


Die Arbeit Friedrichs als Librettist und Co-Autor lässt sich nur noch zum Teil rekonstruieren. Der größte Teil seiner französischsprachigen Entwürfe gilt heute als verschollen. Auch das Manuskript zur Oper Montezuma, das er, wie wir aus Briefen wissen, seiner Schwester Wilhelmine im April 1754 schickte, ist nicht mehr auffindbar. Von der Oper Silla sind ein vollständiges Manuskript und eine Korrekturschrift Friedrichs erhalten geblieben. Beide Exemplare werden im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem als Teil der Sammlung Itzenplitz aufbewahrt. Sie dokumentieren nicht nur die Autorschaft des Königs, sondern gewähren auch Einblick in seine Arbeitsweise. Friedrich übergab seinen Dramenentwurf, der kaum nachträgliche Verbesserungen, Streichungen oder Ergänzungen enthält, einem Schreiber. Dieser verfasste eine Reinschrift. Sie wiederum wurde dem König noch einmal vorgelegt. Die ausgestellte Reinschrift zeigt, wie Friedrich II. anschließend einzelne Veränderungen vorgenommen hat. Meist strich oder ersetzte er nur einzelne Wörter. An manchen Stellen veränderte oder ergänzte er aber auch längere Passagen.
Friedrich II. hatte bei der Abfassung des Libretto-Entwurfs mehrere Dinge im Blick: Zum einen interessierte ihn bei der Wahl und Bearbeitung des Stoffes wohl die historische wie philosophisch-moralische Dimension und auch dessen exemplarischer Charakter zur Darstellung von Macht und Leidenschaft. Zum zweiten setzte er sich mit den Möglichkeiten der musikalischen Dramaturgie auseinander.
Wie der Libretto-Entwurf belegt, dachte er bei der Konzeption der einzelnen Figuren bereits an die Besetzung. Da er die stimmlichen und darstellerischen Fähigkeiten seiner Solistinnen und Solisten genau kannte, konnte er den Ensemblemitgliedern ihre Rollen auf den Leib und auf die Stimme schreiben.
Episoden aus dem Leben des römischen Feldherrn und Diktators Lucius Cornelius Sulla Felix (138–78 v. Chr.) sind nur selten Gegenstand einer Opern- oder Dramenhandlung geworden. 1713 komponierte Georg Friedrich Händel in London die Oper Lucio Cornelio Silla. Die bekannteste Bearbeitung des Stoffes stammt jedoch von Wolfgang Amadé Mozart, der im Jahre 1772 mit Lucio Silla ein Libretto von Giovanni di Gamerra vertonte.
Die Lebensgeschichte des historischen Sulla galt als wenig populär. Man sah in ihm einen Politiker, der vor allem Terror und Chaos verbreitet hatte. Sullas Name war Vielen ein Inbegriff für Grausamkeit und Inhumanität. Umso bemerkenswerter ist es, dass er das Interesse Friedrichs II. fand und dieser seinen Silla als überwiegend positiven Helden konzipierte. Für die Dramenhandlung wählte er einen Wendepunkt im Leben des Staatsmannes. Gemäß der Überlieferung durch Plutarch legte Sulla nach einer Zeit der Herrschaft sein Amt aus freien Stücken nieder. Eine Begründung oder Erklärung für diesen Schritt gab Plutarch nicht, wohl aber der preußische König: In der Exposition zu Friedrichs Drama gehören die Siege des einst glorreichen Feldherrn Silla bereits der Vergangenheit an. Sie bilden aber das Fundament für sein Ansehen und für die Wertschätzung, welche ihm entgegen gebracht wird. Fulvia möchte, dass ihre Tochter Ottavia den Diktator heiratet, denn dieser empfindet eine tiefe Zuneigung für sie. Doch Ottavia liebt den republikanischen Senator Posthume. Silla erscheint zunächst als ehrenwerter Politiker, lässt sich jedoch dazu verleiten, seine Machtposition zu missbrauchen. Er versucht Ottavias Liebe zu erzwingen. Als ihm sein Fehlverhalten bewusst wird, zieht er die Konsequenz: Er verzichtet auf Ottavia und legt seine Ämter nieder. Er habe seine Pflicht für Rom erfüllt; das Vaterland benötige ihn nicht länger. So siegt am Ende Tugend über Machtgier.
Die Oper wurde in der Vertonung Carl Heinrich Grauns am 27. März 1753 anlässlich des Geburtstages der Königinmutter Sophie Dorothea aufgeführt.
(Claudia Terne)

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