Das Werk Montezuma

Exponat-Nr. 74-76: Beispiele für Libretto-Bücher aus dem 18. Jahrhundert (aus der Sammlung der Bibliothek des Klosters ›Stift zum Heiligengrabe‹)

Libretti waren im 18. Jahrhundert eine beliebte Lektüre. Sie wurden nicht nur von Opernbesuchern gelesen; viele Fürsten und Bürger legten Sammlungen an. In der Bibliothek des Klosters Stift zum Heiligengrabe hat sich eine solche Sammlung erhalten. Die Bewohnerinnen des Stifts waren unverheiratete Töchter einflussreicher Brandenburger Adelsfamilien, also gebildete Damen. Einige von ihnen besuchten in der Karnevalsaison die Oper. Sie kauften die Libretti, um das Bühnengeschehen besser zu verstehen, aber auch um die Handlung später noch einmal nachvollziehen zu können.
Im friderizianischen Berlin wurden die Textbücher in unterschiedlicher Ausstattung und Auflagenhöhe gedruckt. Offensichtlich hatte man bei der Produktion und Verbreitung der Libretti einen großen Interessentenkreis im Auge. Die Bücher erschienen in zweisprachigen Ausgaben. Sie enthielten neben dem italienischen Gesangstext zumeist auch eine deutsche Übersetzung, damit ein breiteres Publikum sie verstehen konnte. Der Verkauf von Libretti wurde in den Zeitungen der Stadt zu Beginn der alljährlichen Opernsaison annonciert. So heißt es in einer Verkaufsanzeige in den Berlinischen Nachrichten:

»Von der Opera, so zu Anfange künftigen Monats im hiesigen Königl(ichen) Opernhause aufgeführet wird, sind die Bücher bei der Witwe Simon in der Königsstraße, bei Herrn Richard am Schlosse und bei Herrn Cournon, Lehrer der italienischen Sprache in der Kronenstraße, das Stück auf Druckpapier zu 8 gr(oschen) und auf Schreibpapier zu 12 gr(oschen) zu haben.«

Diese Preise blieben über Jahrzehnte konstant. 1766 kostete ein Libretto »in vergoldetem Band und goldenem Schnitt 16 Gr(oschen).«

Es haben sich überwiegend broschierte Textbücher erhalten. Sie sind auf einfaches Schreibpapier gedruckt und in dekorativ gemustertes Abzugpapier eingebunden. Vermutlich fanden diese Ausgaben größere Verbreitung, auch bei einer interessierten Leserschaft, für die ein Opernbesuch nicht selbstverständlich war. Die vergoldeten Ausgaben mit festem Einband wurden wohl von Sammlern und vermögenden Adligen gekauft.
(Claudia Terne)


74
Montezuma. Tragedia per Musica | Montezuma, ein musikalisches Trauerspiel
Berlin 1771
Haude & Spener

Libretto
© Kloster Stift zum Heiligengrabe
IX, 21


75
Ifigenia in Aulis | Iphigenia in Aulis
Berlin 1768
Haude & Spener

Libretto
© Kloster Stift zum Heiligengrabe
IX, 16


76a
Merope. Tragedia per musica
Berlin 1764
Haude & Spener

Libretto
© Kloster Stift zum Heiligengrabe
IX, 6


76b
Orfeo. Tragedia per musica
Berlin 1769
Haude & Spener

Libretto
© Kloster Stift zum Heiligengrabe
IX, 18


76c
Fetonte. Dramma per musica
Berlin 1770
Haude & Spener

Libretto
© Kloster Stift zum Heiligengrabe
IX, 19


76d
Arminio. Dramma per musica
Berlin 1764
Haude & Spener

Libretto
© Kloster Stift zum Heiligengrabe
IX, 24


Literatur
Terne, Claudia: »Opernbücher als Gesellschaftslektüre des 18. Jahrhunderts. Zur Librettosammlung in der Stiftsbibliothek Heiligengrabe «, in: Friederike Rupprecht (Hrsg.): Lesezeiten. Die Bibliothek im Kloster Stift zum Heiligengrabe von 1600 bis 1900. Berlin: Lukas-Verlag, 2011 (Kultur- und Museumsstandort Heiligengrabe 3). S. 64– 69.

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