Die Hofoper

Exponat-Nr. 11a-11b: Daniele Antonio Bertoli: Kostümfigurinen um 1720

11a)
Daniele Antonio Bertoli: Kostümfigurine (indianischer Fürst?) um 1720

Feder, laviert
26,7 x 17,8 cm
Deutsches Theatermuseum, München
Inv. III 4996


11b)
Daniele Antonio Bertoli: Kostümfigurine (indianische Prinzessin?) um 1720

Feder, Graphit
24,5 x 18,2 cm
Deutsches Theatermuseum, München
Inv. III 3204



Bertoli (1677–1743) war 36 Jahre lang am Kaiserhof in Wien als Kostümbildner tätig. Er leitete auch die Galerie- und Kunstkammer Kaiser Karls VI. Die sehr fein gezeichneten Blätter zeigen, wie man sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts ein indianisches Herrscherpaar vorstellte. Gebraucht wurden solche Kostümentwürfe für die zahlreichen Opern, die von Eroberungen im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert handelten oder andere exotische Sujets hatten. Der Opernforscher Jürgen Maehder listet 25 »Opern der Entdeckung und Conquista« für die Zeit von 1604 bis 1800 auf. Dass es sich bei Bertolis Entwürfen um Opernkostüme handeln muss, lässt sich aus ihrer prunkvollen Aufmachung schließen: Zum Tanz waren sie ungeeignet. Als Stoffe für solche Kostüme verwendete man glänzende Materialien wie Seide und Damast, die das Kerzenlicht reflektierten.
(Ruth Müller-Lindenberg)

Literatur
Maehder, Jürgen: »Mentalitätskonflikt und Fürstenpflicht. Die Begegnung von mittelamerikanischem Herrscher und Conquistadór auf der barocken Opernbühne «, in: Michael Walter (Hrsg.): Text und Musik. Neue Perspektiven der Theorie. München: Fink, 1992 (Materialität der Zeichen, Reihe A 10). S. 131–179.

Schlechte, Katrin: »›Da nun der Vorrath der Theater Garderobbe sehr ansehnlich ist‹ Bühnenkostüm, Fundus und Ausstattungspraxis am Dresdner Hoftheater «, in: Claudia Schnitzer und Petra Hölscher: Eine gute Figur machen. Kostüm und Fest am Dresdner Hof (Ausst. Dresden 2000). Dresden: Verlag der Kunst, 2000. S. 46–55.

Küster, Ulf (Hrsg.): Theatrum mundi. Die Welt als Bühne (Ausst. München 2003). Wolfratshausen: Edition Minerva, 2003.

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