Die Hofoper

Exponat-Nr. 14: Zutaten für ein Feuerwerk bei einer Aufführung der Oper »Armida« im Königlichen Opernhaus zu Berlin am 27. März 1751 | © GStA / Bildstelle

Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz
© GStA / Bildstelle
I. HA Geheimer Rat, Rep. 36 Hof- und Güterverwaltung,
Nr. 2643, fol. 3 Vs


Feuerwerk gehörte zu einer festlichen Opernaufführung dazu. Das Blatt listet die Ingredienzien auf:

»8 libbre di polvere fina
4 libbre di salpetro fino
3 libbre di zolfo
8 quinterni di carta reale ordinaria
6 quinterni di carta da scrivere ordinaria
1 libbra di bambagia filato
2 libbre di spago
1 libbra di limature di ferro nuovo fatta espresso
1 quarto di libbra di can- fora
2 libbre di fior di farina«

(»8 Pfund feines Pulver
4 Pfund feiner Salpeter
3 Pfund Schwefel
8 Lagen gewöhnliches Papier
6 Lagen gewöhnliches Schreibpapier
1 Pfund gesponnene Baumwollabfälle/Watte
2 Pfund Schnur/Bindfaden
1 Pfund neue Eisenspäne
1 Viertelpfund Kampfer
2 Pfund Auszugsmehl«).


Darunter sind der Lohn des Bologneser Pyrotechnikers Angelo Galiani, die Spesen für seinen zweimonatigen Aufenthalt und die Summe aufgeführt, die für das Feuerwerk an der Tafel des Königs (»alla tavola del Rè«) anfielen. Feuerwerksveranstaltungen konnten sogar, wie aus Julius Bernhard von Rohrs: Einleitung zur Ceremoniel-Wissenschafft der großen Herren (1733) hervorgeht, ihre eigene Handlung haben: Rohr behandelt »Opern und Comödien« und »Feuerwercke« jeweils in gesonderten Kapiteln. Er gibt außerdem Anregungen dafür, wie man das Feuerwerk an diese Handlung anzupassen habe:

»Bey Kriegerischen Handlungen schiest man aus den Mörsern Pfauen-Schwäntze, Giradolen und Lust-Kugeln, die mit Schwermern, Sternputzen, Serpenteaux, Schmeltz-Werck und grossen Schlägen versetzt, und bey Vorstellung einer Schlacht wird auch wol aus einigen 100 Mousquetons noch darzu gefeuert.« (S. 850)

Der Anspruch an das Feuerwerk war hoch:

»Die Erfindung des Feuerwercks muß sinnreich seyn, und aus nichts gemeinen noch abgeschmackten bestehen.« (S. 852)

Wichtigster Bestandteil von Feuerwerken war Schießpulver, das aus Salpeter, Schwefel und Holzkohle hergestellt wird. Da bei der Verbrennung des Pulvers große Mengen an Schwefeldioxid entstehen, füllte sich das Theater sofort mit dem charakteristischen stechenden Geruch dieses giftigen Gases. Doch auch andere Gerüche wie der von verbrannten Fasern hingen in der Luft. Um Gegenstände farbig zu beleuchten bediente man sich des Bengalischen Feuers, das erzeugt wurde, indem man dem Schießpulver verschiedene Metalle beimischte. Dabei kam es je nach Metall zu starker Rauchentwicklung. Zum Anzünden des Feuers wurde oft hochprozentiger Alkohol verwendet.
(Ulrike Eberle / Ruth Müller-Lindenberg)


Online Lesen
Rohr, Julius Bernhard von: Einleitung zur Ceremoniel-Wissenschafft der grossen Herren. Berlin, 1733.
(e-Ressource der Bayerischen StaatsBibliothek digital )

Rohr, Julius Bernhard von: Einleitung zur Ceremoniel-Wissenschafft der grossen Herren. Berlin, 1733.
(embedded from Google Books)



Literatur
Rohr, Julius Bernhard von: Einleitung zur Ceremoniel-Wissenschafft der grossen Herren (Berlin 1733). Hrsg. und kommentiert von Monika Schlechte. Leipzig: Edition Leipzig, 1990.

Ruggieri, Claude-Fortuné: Handbüchlein der Lustfeuerwerkerei. Eine praktische Anweisung (…) Quedlinburg und Leipzig: Basse, 2 /1845.

Lotz, Arthur: Das Feuerwerk: Seine Geschichte und Bibliographie. Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte der Feste und des Theaterwesens in sieben Jahrhunderten. Leipzig: Hiersemann, 1941.

Unfer Lukoschik, Rita (Hrsg.): Italienerinnen und Italiener am Hofe Friedrich II. (1740 –1786). Berlin: Duncker & Humblot, 2008.

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