Die Hofoper

Exponat-Nr. 15: Giuseppe Galli Bibiena: »Luogo magnifico – Palasthalle mit Thron«, wohl 1752

Feder, in verschiedenen Farben laviert, mit Gold gehöht
46,5 x 57,5 cm
© Deutsches Theatermuseum, München
Inv. IV 4838


Dieses Bühnenbild hat Giuseppe Galli Bibiena (1696 –1757) höchstwahrscheinlich für die Hofoper Friedrichs II. entworfen, und zwar für die von Johann Adolph Hasse komponierte und in Berlin 1752 erstmals aufgeführte Oper Didone abbandonata . Es passt genau zu der im Libretto für den I. Akt vorgegebenen Szenerie: »Luogo magnifico destinato alle pubbliche Udienze con Trono da un Lato« (»ein für öffentliche Audienzen bestimmter prächtiger Ort, auf einer Seite ein Thron«). Es handelt sich um ein Präsentationsblatt, also nicht um einen skizzenhaften Entwurf, sondern um eine möglichst präzise ausgeführte Zeichnung, die zur Vorlage beim Auftraggeber bestimmt war. Er sollte sich eine genaue Vorstellung von der geplanten prunkvollen Dekoration machen können.
Die Zeichnung ist eines der kostbarsten Stücke der Ausstellung. Sie dokumentiert den hohen Anspruch an das Bühnenbild und die Ausstattung einer Oper bei Hofe. Friedrich II. stellte sich diesem Anspruch, indem er Giuseppe Galli Bibiena im Jahre 1750 mit einem Bühnenbild beauftragte und ihn 1753 als seinen Hofdekorateur nach Berlin holte. Die Galli Bibiena, eine oberitalienische Familie von Szenographen, arbeiteten ebenso für den kaiserlichen Hof in Wien wie für andere Fürsten in ganz Europa. Der Kunsthistoriker Luigi Lanzi schrieb 1789 über die Bedeutung dieser Künstlerfamilie: »Ihre Ideen waren der Würde der Herrscher ebenbürtig, und nur die Macht der Herrscher konnte ihren Ideen Gestalt geben.« Die Ausstattung des höfischen Theaters sollte zeigen, was der Fürst sich leisten konnte, und für die fürstlichen Personen, die die Handlungen bevölkerten, angemessen repräsentative Szenographien schaffen. Schon im 17. Jahrhundert hatte ein Theatertheoretiker, der Jesuit Claude-François Ménestrier, in seinem Buch Des Representations en musique anciennes et modernes (erstmals 1681) die verschiedenen Szenentypen zusammengefasst. Danach richteten sich dann auch die Textbuchautoren: Es mussten königliche Gemächer, Galerien und Säle ebenso vorkommen wie Gärten, Kriegsschauplätze, Häfen und Gefängnisse.
(Ruth Müller-Lindenberg)

Literatur
Ball-Krückmann, Babette: »Bühnenbildentwürfe zwischen Barock und Klassizismus. Bemerkungen zur Zeichenkunst der Galli Bibiena«, in: Peter O. Krückmann (Hrsg.): Galli Bibiena und der Musenhof der Wilhelmine von Bayreuth (Ausst. Bayreuth 1998). München und New York: Prestel, 1998 (Paradies des Rokoko 2). S. 116 –130.

Ball-Krückmann, Babette: »L’ Opera tarda di Giuseppe Galli Bibiena: I lavori per Dresda e Berlino«, in: Deanna Lenzi und Jadranka Bentini (Hrsg.): I Bibiena – una famiglia europea (Ausst. Bologna 2000). Venedig: Marsilio, 2000. S. 155–166.

Bauer, Oswald Georg: »›Ihre Ideen waren der Würde der Herrscher ebenbürtig, und nur die Macht der Herrscher konnte ihren Ideen Gestalt geben‹. Zur Typologie der Bühnenbilder der Galli Bibiena«, in: Peter O. Krückmann (Hrsg.): Galli Bibiena und der Musenhof der Wilhelmine von Bayreuth (Ausst. Bayreuth 1998). München und New York: Prestel, 1998 (Paradies des Rokoko 2). S. 104–109.

Quecke, Ursula: »Il teatro della festa. Die Galli Bibiena als Schöpfer ephemerer Architekturen im höfischen Festzusammenhang«, in: Peter O. Krückmann (Hrsg.): Galli Bibiena und der Musenhof der Wilhelmine von Bayreuth (Ausst. Bayreuth 1998). München und New York: Prestel, 1998 (Paradies des Rokoko II).
S. 110–115.

Rasche, Adelheid: »›Decoratore di Sua Maestà‹ – Giuseppe Galli Bibiena als Bühnenbildner an der Berliner Hofoper Friedrichs II. von Preußen«, in: Jahrbuch der Berliner Museen 41 (1999). S. 99–131.

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