Die Hofoper

Exponat-Nr. 19: Francesco Algarotti: »Saggio sopra l’opera in musica« (Versuch über die Oper), Livorno 1763

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HA 16 | Titelblatt


Diese Schrift des gebildeten Venezianers und Kammerherrn am preußischen Hofe (zur Biographie siehe Exp.-Nr. 20 ) befasst sich mit einer Reform der Oper. Algarotti schuf selber von 1755 an fünf verschiedene Versionen des Textes, der rasch in alle wichtigen europäischen Sprachen übersetzt wurde und deshalb großen Einfluss auf die opernästhetischen Debatten hatte. Die ersten drei Ausgaben sind dem Intendanten der preußischen Hofoper (1742 –1757), Ernst Maximilian Baron von Sweerts gewidmet. Nicht nur aus diesem Detail kann man schließen, dass der Saggio auch ein Produkt der Diskussionen war, die am Hofe Friedrichs II. zum Thema Oper geführt wurden. Das zentrale Anliegen von Algarottis Reformvorschlag lautet: Die Oper soll alle ihre Einzelkomponenten – also Text, Musik, Tanz, Szenographie und Maschinenkunst – in Übereinstimmung bringen; keine darf sich verselbständigen. Alles muss im Zusammenhang mit dem Drama stehen. Für die Sujets solcher Opern schlägt Algarotti vor, dass sie Möglichkeiten für das Wunderbare in der Oper geben und möglichst in weit entfernten Ländern und Zeiten spielen sollen. Und dann macht er, in der ersten Fassung seines Essays, eine interessante Anregung:

»Eine Montezuma-Oper könnte einem tüchtigen Komponisten die Möglichkeit eröffnen, mit der Musik in eine neue Welt aufzubrechen, das heißt Instrumente zu verwenden, die bei uns wenig im Gebrauch sind, oder besondere Melodien. Er könnte für die Ohren auch die spanische Musik der amerikanischen gegenüber stellen, so wie man die Verschiedenheit der Bekleidung sichtbar machen könnte. Schließlich wären religiöse Tänze und Chöre der Amerikaner, die ihre Götter anflehen, ein Schmuck für ein solches Werk, so wie das Eindringen der Spanier in die Stadt, die Kämpfe, aber auch Naturdarstellungen der großartigen mexikanischen Landschaft.«


Die Passage lautet im Original:
»Questo (gemeint ist: der Montezuma-Stoff) potrebbe aprire un bel campo ad un valente maestro di cappella di transportarne con la musica in un nuovo mondo: Il che egli potrebbe in certo modo fare o con accompagnamenti di certi tali strumenti poco usitati tra noi, o con certe particolari melodie; cercando non già modi nuovi, ma strane cantilene. Giocondissimo per gli orecchi verrebbe ad essere il contrapposto della musica spagnuola con l’americana, come per gli occhi la diversità dei vestimenti. Vi aggiugnerebbono grande ornamento le danze religiose, i cori degli Americani supplicanti gl’Iddii del paese a proteggere l’Imperio e i tempj loro, lo sbarco degli Spagnuoli nella città, i combattimenti con armi e con auspicj diseguali, e le peregrine scene rappresentanti la natura e la magnificenza messicana (…).«
(Algarotti, Francesco: Saggio sopra l’opera in musica. (1755) Le edizioni di Venezia (1755) e di Livorno (1763). Hrsg. von Annalisa Bini, Lucca: Libreria musicale italiana, 1989 (Musurgiana 6), S. XIV f.)


In späteren Fassungen seiner Schrift lobte Algarotti ausdrücklich den preußischen Montezuma als ein Werk, das die Reformvorschläge aufgegriffen habe.
(Ruth Müller-Lindenberg)

Online Lesen
Algarotti, Francesco: Saggio sopra l’opera in musica. Ex donat. Molliana, 1755. (e-Ressource der Bayerischen StaatsBibliothek digital )

Algarotti, Francesco: Saggio sopra l’opera in musica. Ex donat. Molliana, 1755. (embedded from Google Books)



Literatur
Algarotti, Francesco: Saggio sopra l’opera in musica. (1755) Le edizioni di Venezia (1755) e di Livorno (1763). Hrsg. von Annalisa Bini, Lucca: Libreria musicale italiana, 1989 (Musurgiana 6).

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