Die Hofoper

Exponat-Nr. 20: Georg Friedrich Schmidt: »Francesco Algarotti«

Radierung
Staatliche Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz
Kupferstichkabinett

Inv. 240 -5


Francesco Algarotti, geboren im Jahre 1712, war der Sohn eines vermögenden Venezianers und eine Art Privatgelehrter. Kronprinz Friedrich hatte ihn durch Voltaires Vermittlung bereits 1739 in Rheinsberg kennen gelernt und berief ihn 1740, wenige Tage nach der Thronbesteigung, an seinen Hof. Algarotti, den der König in den Grafenstand erhob und zu seinem Kammerherrn ernannte, blieb ihm bis zu seinem Tod im Jahre 1764 verbunden. Am preußischen Hof hielt er sich von 1740 bis 1742 und von 1747 bis 1753 auf. Für Friedrich II., der ihn seinen »schönen Schwan aus Padua« nannte, war er ein wichtiger Gesprächspartner und Ratgeber für das ästhetische Profil der friderizianischen Oper. So betraute ihn der König damit, die Übersetzung seiner eigenen Libretto-Entwürfe ins Italienische zu überwachen.

Im Oktober 1753 schrieb er an den Grafen, der sich in Italien aufhielt:
»Wenn Ihre Opern schlecht sind, so werden Sie hier eine neue finden, die jene nicht übertreffen wird. Sie heißt Montezuma. Ich habe diesen Stoff gewählt und bearbeite ihn jetzt. Sie können denken, dass ich mich für Montezuma interessiere, dass Cortes der Tyrann sein wird und dass man demnach selbst in der Musik einige Raketen wider die Barbarei der katholischen Religion werfen kann. Doch ich vergesse, dass Sie sich in einem Lande der Inquisition befinden; ich mache Ihnen deshalb meine Entschuldigung und hoffe Sie bald wieder in einem ketzerischen Lande zu sehen, in welchem die Oper selbst dazu dienen kann, die Sitten zu verbessern und den Aberglauben zu vernichten.«

Algarotti antwortete sehr höflich:
»Ich freue mich sehr, Sire, dass Euere Majestät Montezuma zum Stoff einer Oper gewählt haben. Der Unterschied der Trachten zwischen den Spaniern und Amerikanern, die Neuheit der Dekorationen werden ohne Zweifel ein artiges Schauspiel geben und ich bin gewiss, dass – Dank sei es Eurer Majestät – Amerika unserem Geiste ein neues Vergnügen bereiten wird, so wie es für unseren Luxus und für die Annehmlichkeiten unseres Gaumens gesorgt hat.«

Im Jahre 1755 veröffentlichte Algarotti die erste von fünf Versionen seines Saggio sopra l’opera in musica – ein Essay, in dem er eine Reform der Oper forderte (Exp.-Nr. 19 ). Dieser Text wurde in alle wichtigen europäischen Sprachen übersetzt und war deshalb sehr einflussreich. Viele andere Autoren, die sich mit einer Reform der Oper befassten, nahmen Algarottis Schrift als Ausgangspunkt.
(Ruth Müller-Lindenberg)

Online Lesen
Algarotti, Francesco: Saggio sopra l’opera in musica. Ex donat. Molliana, 1755. (e-Ressource der Bayerischen StaatsBibliothek digital )

Algarotti, Francesco: Saggio sopra l’opera in musica. Ex donat. Molliana, 1755. (embedded from Google Books)



Literatur
Algarotti, Francesco: Saggio sopra l’opera in musica. (1755) Le edizioni di Venezia (1755) e di Livorno (1763). Hrsg. von Annalisa Bini, Lucca: Libreria musicale italiana, 1989 (Musurgiana 6).

Maehder, Jürgen: »Die Librettisten des Königs. Das Musiktheater Friedrichs des Großen als theatralische wie linguistische Italien-Rezeption«, in: Erika Fischer-Lichte (Hrsg.): Theater im Kulturwandel des 18. Jahrhunderts. Inszenierung und Wahrnehmung von Körper – Musik – Sprache. Göttingen: Wallstein Verlag, 1999. S. 265–304.

Unfer Lukoschik, Rita (Hrsg.): Italienerinnen und Italiener am Hofe Friedrich II. (1740 –1786). Berlin: Duncker & Humblot, 2008.

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