Die Hofoper

Exponat-Nr. 22-29: Instrumentendarstellungen in »Schloss Sanssouci«, Potsdam und den »Markgräflichen Schlössern«, Bayreuth

Sowohl in Schloss Sanssouci als auch in den Schlössern der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, der älteren Schwester Friedrichs II., gibt es Darstellungen von Instrumenten. Sie sind fast gleichzeitig entstanden. Vielleicht haben sich die Geschwister bei Besuchen sogar gegenseitig inspiriert. Besonders das Musikzimmer der Markgräfin im Alten Schloss der Eremitage zu Bayreuth stellt ein bemerkenswertes Ensemble dar: Es kombiniert eine traditionelle Schönheitengalerie mit großformatigen, in die Wand eingelassenen Panneaus. In ihren Lebenserinnerungen beschreibt die Markgräfin dieses Zimmer so:

»Es ist ganz aus weißem Marmor mit grünen Feldern. In jedem Feld gibt es eine vergoldete, sehr fein gearbeitete Musikinstrumententrophäe. Porträts von mehreren schönen Frauen, die ich gesammelt habe, von der Hand der fähigsten Meister, sind über diesen Trophäen platziert und in verzierten und vergoldeten Rahmen in die Wand eingelassen. Der Grund der Decke ist weiß. Die Reliefs stellen Orpheus dar, wie er auf seiner Leier spielt und die Tiere anlockt. All diese Reliefs sind vergoldet; mein Spinett und alle anderen Musikinstrumente sind in diesem Zimmer aufgestellt, an dessen Ende mein Arbeitszimmer ist.« (Wilhelmine von Bayreuth, Markgräfin: Memoiren einer preußischen Königstocher. Übers., Anm. und Nachw. von Günter Berger. Bayreuth: Ellwanger, 2007, S. 341 f.)

Im Potsdamer Schloss Sanssouci verteilen sich die Instrumentendarstellungen, die ab 1744 entstanden sind, auf mehrere Räume, vor allem auf das Konzertzimmer und die Bibliothek. Während bei Friedrich II. allegorische Darstellungen im Vordergrund stehen, die zum Teil Fantasieinstrumente zeigen, bezieht sich der Bayreuther Wandschmuck überwiegend ganz konkret auf das Musikleben bei Hofe: So könnte man mit zwei Traversflöten, einem Fagott und einem Violoncello eine Triosonate aufführen. Außerdem erscheinen mit Klarinette und Chalumeau Instrumente, die um die Mitte des 18. Jahrhunderts noch nicht lange in Gebrauch waren.
Die preußische Königstochter Wilhelmine legte auch großen Wert auf die zeremonielle Seite. Das zeigt das Panneau mit den Pauken und Trompeten, die als Herrschaftsinsignien für das Hofzeremoniell unverzichtbar waren und die einen höheren Rang einnahmen als die übrigen Instrumente der Hofkapelle.
Die Auswahl der Instrumente für Sanssouci mochte auf anderen Überlegungen beruhen: Dort findet sich beispielsweise die idealisierte Darstellung einer altgriechischen Leier. Sie betont die mythologische Dimension der Musik. Mit Fidel, Waldhorn und Panflöte werden Instrumente präsentiert, die sich nicht auf höfische Musikübung beziehen, sondern auf Volks- und Gebrauchsmusik anspielen. Das Konzept, das dieser Art von Raumschmuck zugrunde liegt, ist bei Wilhelmine und Friedrich II. dennoch identisch: mit den sehr kunstvollen Darstellungen auf die repräsentative Rolle der Musik zu verweisen.
(Ruth Müller-Lindenberg)


Exponat-Nr. 22-25: Eremitage bei Bayreuth, Altes Schloss, Musikzimmer der Markgräfin Wilhelmine

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Pauken- und Trompeten-Paar

Stuck-Trophäe von Jeronimo Francesco Andreioli um 1739
Eremitage bei Bayreuth, Altes Schloss, Musikzimmer der Markgräfin Wilhelmine
Fotograf: Gregor Peda
© Kunstverlag Peda


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Violoncello mit Bogen und Fagott sowie zwei Traversflöten und Stimmbuch

Stuck-Trophäe von Jeronimo Francesco Andreioli um 1739
Eremitage bei Bayreuth, Altes Schloss, Musikzimmer der Markgräfin Wilhelmine
Fotograf: Gregor Peda
© Kunstverlag Peda

24
Zwei Chalumeaux, Jagdhorn, Klarinette

Stuck-Trophäe von Jeronimo Francesco Andreioli um 1739
Eremitage bei Bayreuth, Altes Schloss, Musikzimmer der Markgräfin Wilhelmine
Fotograf: Gregor Peda
© Kunstverlag Peda


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Eremitage bei Bayreuth, Altes Schloss: »Musikzimmer der Markgräfin Wilhelmine«

Zustand nach der Restaurierung 1992
© Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen



Exponat-Nr. 26-29: Schloss Sanssouci


26
Schloss Sanssouci -Süd- oder Gartenseite des Schlosses

Fotograf: Hillert Ibbeken
© Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg


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Idealisierte Darstellung einer altgriechischen Leier mit einem Lorbeerkranz

Schloss Sanssouci, Marmorsaal, nördliche Tür zum Vestibül, Detail
Fotograf: Hillert Ibbeken (Bild 1)
© Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg


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Fidel (vielleicht eine frühe Form der Violine), Schalmei, Waldhorn und Panflöte

Schloss Sanssouci, Konzertzimmer
Fotograf: Hillert Ibbeken (Bild 2)
© Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg


29
Violine mit spitzem Barockbogen, Traversflöte mit Klappe, Klarinette und Trompete, mit einem Notenheft umwickelt

Bronzeornament nach Modellen von Johann Becker (1747)
Fotograf: Hillert Ibbeken (Bild 3)
© Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
Metallarbeiten von C. G. Kelly (Rechnung von 1751)
Schloss Sanssouci, Bibliothek.

Literatur
Focht, Josef: Die musische Aura der Markgräfin Wilhelmine. Musikinszenierung in der Kunst des Bayreuther Rokoko . Passau: Kunstverlag Peda, 1998 (Peda-Kunstführer Musik im Bild 1).

Joppig, Gunther: »Die Komponistin Wilhelmine und die Instrumentendarstellungen in den Musikzimmern der Bayreuther Schlösser «, in: Peter O. Krückmann (Hrsg.): Galli Bibiena und der Musenhof der Wilhelmine von Bayreuth (Ausst. Bayreuth 1998). München und New York: Prestel, 1998 (Paradies des Rokoko 2). S. 44–49.

Restle, Conny: »Musikinstrumente« , in: Giersberg, Hans-Joachim: Schloss Sanssouci. Die Sommerresidenz Friedrichs des Großen. Fotografien von Hillert Ibbeken. Mit Beitr. von Thomas Blisniewski u. a. Berlin: Nicolai, 2005. S. 117–122.

Henze-Döhring, Sabine: »Der Stellenwert der Musik im höfischen Zeremoniell.« in: Juliane Riepe (Hrsg.): Musik der Macht – Macht der Musik. Die Musik an den sächsisch-albertinischen Herzogshöfen Weißenfels, Zeitz und Merseburg. Bericht über das Wissenschaftliche Symposion anläßlich der 4. Mitteldeutschen Heinrich-Schütz-Tage, Weißenfels 2001. Schneverdingen: Wagner, 2003 (Schriften zur Mitteldeutschen Musikgeschichte 8). S. 23–32.

Wilhelmine von Bayreuth, Markgräfin: Memoiren einer preußischen Königstocher. Übers., Anm. und Nachw. von Günter Berger. Bayreuth: Ellwanger, 2007.

Müller-Lindenberg, Ruth: »Wilhelmine von Bayreuth. Raumimagination und Selbstkonzept «. in: Susanne Rode-Breymann und Ante Tumat (Hrsg.): Der Hof. Ort kulturellen Handelns von Frauen in der Frühen Neuzeit. Köln u. a.: Böhlau, 2013 (Musik - Kultur - Gender 12). S. 238–255.

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