Die Hofoper

Exponat-Nr. 30: Antoine Pesne: »Die Tänzerin Barbara Campanini, genannt Barbarina«, 1744

Öl auf Leinwand
221 x 140 cm
© Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Fotothek
GK I 2638 | F0007408
Fotograf: Jörg P. Anders


Der preußische Hofmaler schuf das Bildnis in Überlebensgröße auf ausdrücklichen Wunsch des Königs. Die Barbarina (auch: Barberina) war eine der berühmtesten Ballerinen ihrer Zeit und tanzte von 1744 bis 1749 an der Königlichen Hofoper in Berlin. Die skandalträchtigen Umstände ihrer Verpflichtung nach Berlin sorgten im zeitgenössischen Europa für Gesprächsstoff. Die Barbarina galt in London, Paris und Italien längst als gefeierter Ballettstar, als der junge Preußenkönig auf sie aufmerksam wurde. Im Herbst 1743 gelang es ihm, sie vertraglich an seine Hofoper zu binden. Als sie einige Monate später ihre Zusage zurückzog, um ihren Geliebten nicht verlassen zu müssen, reagierte Friedrich II. höchst verärgert. Er sandte ein Auslieferungsersuchen an die Republik Venedig, wo sich die Barbarina gerade aufhielt. Mit Nachdruck bestand er darauf, die Tänzerin nach Berlin zu bringen. Das geschah schließlich unter militärischer Bewachung.
Barbara Campanini wurde in Berlin von Anbeginn verehrt und hofiert. Sie war Mittelpunkt und gern gesehener Gast bei Soireen. Friedrich lud sie nicht nur mehrfach zu Soupers bei Hofe, sondern besuchte sie auch im Séparée der Oper. Über die Motive der besonderen Wertschätzung, die er der Tänzerin entgegenbrachte, wurde deshalb viel spekuliert. Casanova, der sich 1764 in Preußen aufhielt, berichtet in seinen Memoiren, er habe im Schlafzimmer des Königs ein Gemälde der Tänzerin gesehen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Barbarina Berlin schon lange verlassen. 1748 hatte sie sich mit einem Sohn des preußischen Justizreformers Samuel von Cocceji vermählt und war beim König, der die Verbindung missbilligte, in Ungnade gefallen. Nach dem abrupten Karriereende folgte sie ihrem Ehemann in die schlesische Provinz; Friedrich II. hatte ihn dorthin versetzt. Als sie wegging, verlor nicht nur die preußische Hofoper einen ihrer bedeutendsten Ballettstars. Auch das Berliner Gesellschaftsleben büßte an Glanz ein, weil der Salon der Barbarina, Anziehungspunkt für Diplomaten und Künstler, nunmehr geschlossen war. Die graziöse Italienerin blieb den Berlinern lange im Gedächtnis. Noch viele Jahre nach dem Weggang der Tänzerin wurden bei Hofe Gerichte »à la Barbarina« serviert. Die Nachfolgerinnen der Tänzerin hatten es schwer, vor dem Publikum zu bestehen. Eine Wiederholung des Pygmalion-Balletts von 1746, in dem die Barbarina als eine zum Leben erwachende Statue Furore gemacht hatte, geriet in veränderter Besetzung zum Desaster. Friedrich II. schwieg und bemühte sich umgehend darum, für die Rolle der Statue eine bessere Tänzerin zu finden.
Die Tänzerinnen und Tänzer an der Königlichen Hofoper kamen in der Regel aus Frankreich, dem europäischen Zentrum für die Ballettkunst der Zeit. Bereits 1742 hatte Friedrich II. Solotänzer aus Frankreich angeworben. Das Corps de Ballet bestand aus zwölf Tänzerinnen und Tänzern. Einer der bedeutendsten war Jean Georges Noverre, ein wichtiger Reformer des Bühnentanzes. Noverre wandte sich gegen den rein mechanisch-virtuosen Tanz ohne Handlung. Stattdessen stellte er sich das Ballett wie ein getanztes Drama vor. Dies legte er mehrfach in seinen Briefen über die Tanzkunst und in seinen eigenen Choreografien dar.
(Ulrike Eberle / Claudia Terne)

Literatur
Dall’Ongaro, Giuseppe: La Barberina. Novara: De Agostini, 1987.

Unfer Lukoschik, Rita (Hrsg.): Italienerinnen und Italiener am Hofe Friedrich II. (1740 –1786). Berlin: Duncker & Humblot, 2008.

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