Die Hofoper

Exponat-Nr. 32-34: Bühnentechnik zu Friedrichs II. Zeiten

Das höfische Theater lebte auch von seinen Bühneneffekten. Die Textbücher sahen nicht nur aufwändige Dekorationen vor, sondern häufig auch Naturschaupiele wie einen Seesturm, ein heftiges Gewitter oder einen Regenguss. Dass die »Maschinen-Kunst« eine wichtige ästhetische Größe des Schauspiels war, belegen zeitgenössische Äußerungen. So schrieb Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, die Schwester Friedrichs II., über ihr eigenes Operntheater 18. Januar 1752 an den Bruder:

»Wir haben einen Maschinisten aus Paris, der das Auge mit seinen Maschinen erfreut. Alle Welt hier sagt, es sei ein Wunder; denn dergleichen Dinge habe man in Franken noch nie gesehen.«

(Übersetzung nach VOLZ 1926, S. 219).


Diese Kunst war jedoch mit Risiken behaftet, wie sich wiederum am Beispiel des Bayreuther Hoftheaters zeigen lässt: Nach der ersten Aufführung der Oper Semiramide am 13. Mai 1753 schrieb Wilhelmine dem Bruder:

»Alle Maschinen haben versagt. Das Durcheinander war schrecklich, trotz aller meinen (sic!) Anordnungen.«
(16. Mai 1753, Übersetzung nach VOLZ 1926, S. 257).


Dieses »Versagen« muss man sich heute wahrscheinlich als einen Vorgang vorstellen, der für die beteiligten Bühnenarbeiter große Gefahren mit sich brachte. Gotthold Ephraim Lessing schrieb 1750 über den königlichen Hofdekorateur Innocente Bellavita, den Vorgänger Giuseppe Galli Bibienas an der Hofoper Friedrichs II:

»Mehr als einmal haben seine Maschinen den Operisten fast das Leben gekostet.«
(Beyträge zur Historie und Aufnahme des Theaters, Erstes Stück , Stuttgart 1750; S. 134)


Wie Bühnentechnik zu Friedrichs II. Zeiten aussah und funktionierte, lässt sich in Europa nur noch an wenigen Theatern studieren, in denen sich die Einbauten erhalten haben. Auch aus den Opernhäusern in Bayreuth und Berlin wurde alles entfernt, was Rückschlüsse auf die Beschaffenheit der Bühnentechnik zugelassen hätte. Dies nahm 1993 der Kunsterzieher Klaus-Dieter Reus am Bayreuther Gymnasium Christian Ernestinum zum Anlass, um in mehreren Oberstufen-Kursen ein theaterhistorisches Forschungsprojekt durchzuführen. Daraus entstanden zwei Ausstellungen (1995 und 1998), die deutlich machten, dass die Bayreuther Gymnasiastinnen und Gymnasiasten Poinierarbeit geleistet hatten. Es gab bis zu diesem Zeitpunkt kaum Fachliteratur und präzisere technische Untersuchungen zu diesem Thema.

Die Exp.-Nr. 32 , 33 und 34 sind Nachbauten von Effektmaschinen, aus dem Moskauer Ostankino-Theater und aus dem Schlosstheater von Drottningholm. Dieses Theater hat übrigens auch eine Verbindung zu Friedrich II.: Königin Luise Ulrike von Schweden, die es erbauen ließ, war eine jüngere Schwester des Königs.
(Ruth Müller-Lindenberg)

Literatur
Volz, Gustav Berthold (Hrsg.): Friedrich der Große und Wilhelmine von Baireuth. Band II: Briefe der Königszeit 1740–1758 . Hrsg. und eingeleitet von Gustav Berthold Volz, deutsch von Friedrich von Oppeln-Bronikowski. Berlin und Leipzig: K. F. Koehler, 1926.

Henzel, Christoph: : Quellentexte zur Berliner Musikgeschichte im 18. Jahrhundert . Ausgew. und kommentiert von Christoph Henzel. Wilhelmshaven: Florian Noetzel, 1999 b (Taschenbücher zur Musikwissenschaft 135).

Reus, Klaus-Dieter (Hrsg.): Faszination der Bühne. Barockes Welttheater in Bayreuth . Bayreuth: C. und C. Rabenstein, 2 /2001.

Reus, Klaus-Dieter (Hrsg.):»›Das Operntheater erfordert etwas Großes in dem Äußerlichen der Vorstellung‹. Barocke Bühnentechnik«, in: Ulf Küster (Hrsg.): Theatrum mundi. Die Welt als Bühne. Wolfratshausen: Edition Minerva, 2003. S. 30–33.

Müller-Lindenberg, Ruth: Wilhelmine von Bayreuth. Die Hofoper als Bühne des Lebens . Köln u. a.: Böhlau, 2005 (Europäische Komponistinnen 2).

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