Die Hofoper

Exponat-Nr. 5: Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth an ihren Bruder, König Friedrich II. (Brief vom 10. Juli 1755) | © GStA / Bildstelle

Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz
© GStA / Bildstelle
BPH Rep. 46 König Friedrich Wilhelm I., W17,
Bd. III, 6 (1755), fol. 28 Vs – 29 Vs


Dieser bisher unveröffentlichte Brief ist ein Dokument für das fast lebenslang zwischen den Geschwistern geführte Gespräch über gute Sänger und Sängerinnen in der Oper. Wilhelmine, die sich gerade auf einer Reise in Italien befindet, berichtet dem Bruder minutiös davon, dass sie einen in Rom engagierten Kastratensänger mit einer exzellenten Stimme gehört habe (Giovanini Belardi), der ganz im Stil des Felice Salimbeni singe. Salimbeni zählte zu den am Hofe Friedrichs sehr geschätzten Sängern, war jedoch bereits 1750 nach Dresden gegangen. Außerdem schreibt Wilhelmine, sie habe zwei der Mitwirkenden aus der Montezuma-Produktion von 1755, die Kastraten Amadori (Montezuma) und Paolino (Pilpatoè) getroffen:

Originaltext

»Je vous entretiendré aujourdhui de Musique. J’ai trouvé Paulino et Amadoro (sic) ici. Combien de questions n’ai je pas fait ...au premier et quelle joye n’ai je pas eue de voir quelqu’un qui vous apartient. Pardoné L’episode elle est bien naturelle a quelqu’un qui vous aime autant que je le fais. J’en reviens a mon sujet. J’ai fait ramaser tout ce quil y avoit de chanteurs a Bologne. Le vieux Bernachi lui meme a Chanté un Air d’une voix tremblante et ma enseigné son Ecolle qui est une chose qui
fait trembler un Musicien. Je n’ai rien trouvé d’exelant parmi tous ceux que j’ai entendu. C’etoit toutes des voix foibles ou vicieuses. Cepandent le Bon gout regne encore a Bologne ce qui est cause qu’on prend plaisir a entendre chanter des gens qui a force d’habilité rendent soutenable et meme agreable ce qui seroit Inssuportable sans cella. J’ai trouvé a fano un tres bon sujet qui se nome Giovanini Belardi il chante dans le gout de Salimbeni sa voix a une grande etandue mais elle est un peu forcée dans les (unleserlich). Sa figure est tres jolie. Il est engagé a Rome pour 5 ans en qualité de prima Donna.«

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Übersetzung

»Ich werde Sie heute mit Musik unterhalten. Ich habe Paulino und Amadori hier getroffen. Wieviele Fragen habe ich dem ersten ...nicht gestellt und wieviel Freude hatte ich, jemanden zu sehen, der Ihnen angehört. Verzeihen Sie, dass ich diese Episode berichte, das ist ganz natürlich für jemand, der Sie so liebt wie ich. Ich komme auf mein Thema zurück. Ich habe alles einsammeln lassen, was es in Bologna an Sängern gab. Der alte Bernacchi selber hat mit zitternder Stimme eine Arie gesungen und mich seine Schule gelehrt. Sie lässt einen Musiker erzittern. Unter den Sängern, die ich gehört habe, war nichts Exzellentes. Es waren lauter schwache oder verbrauchte Stimmen. Dennoch herrscht der gute Geschmack noch in Bologna, denn man hört mit Vergnügen Sänger, die mit ihrer Stimmtechnik das erträglich oder sogar angenehm machen, was sonst unerträglich wäre. In Fano habe ich einen sehr guten Sänger namens Giovanini Belardi gefunden. Er singt nach Art des Salimbeni. Seine Stimme hat einen großen Umfang, ist aber ein bisschen forciert bei den (unleserlich). Seine Gestalt ist sehr hübsch. Er ist in Rom für fünf Jahre als Primadonna engagiert.«


(Übersetzung und Text: Ruth Müller-Lindenberg)

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