Kuriosa

Exponat-Nr. 107a-107b: Schuhe der Ballerinen: »Barbara Campanini«, um 1770 und »Marianne Cochois«, um 1770

107a
Schuh der Tänzerin Barbara Campanini, um 1770
(Bild 1)
Seidendamast lachsrosa (verblichen), Glacéleder weiß, Ledersohle geschliffen;
Fußlänge 20 cm, Absatzhöhe 4,6 cm
© Rüstkammer, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Inv. I,114
Fotograf: Hans-Peter Klut


107b
Schuh der Tänzerin Marianne Cochois, um 1770
(Bild 2)
Seidendamast lachsrosa, Glacéleder weiß, Ledersohle geschliffen;
Länge 21 cm, Absatzhöhe 7,8 cm
© Rüstkammer, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Inv. I,113
Fotograf: Hans-Peter Klut


Barbara Campanini, genannt Barbarina (auch: Barberina), war die wohl berühmteste Tänzerin der Königlichen Hofoper (zur Biographie siehe Exp.-Nr. 30 ). Marianne (Marie) Cochois (1723 bis nach 1786), die seit 1742 in Berlin engagiert war, folgte ihr 1749 als Primaballerina nach. Die Schuhe der beiden Tänzerinnen, die nicht aus deren aktiver Zeit stammen, haben eine kuriose Geschichte. Sie befanden sich in der privaten Sammlung des sächsischen Hofrats Baron Peter Ludwig Heinrich von Block, der zu Anfang des 19. Jahrhunderts als Erster Inspektor des »Grünen Gewölbes« (der fürstlichen Kunstsammlungen) in Dresden tätig war. Im Jahre 1816 kam heraus, dass er jahrelang das »Grüne Gewölbe« geplündert und die Beutestücke verkauft hatte. Zur Vertuschung seiner Taten hatte er sogar echte Diamanten gegen falsche ausgetauscht. Vom Erlös der Diebstähle legte er u. a. eine Schuhsammlung an. Sie wurde jedoch, nachdem der Hofrat aufgeflogen war, beschlagnahmt, und der Kunstliebhaber mit den unüblichen Akquisitionsusancen verschwand zwischen 1817 und 1823 in den Zuchthäusern von Zwickau und Waldheim. Sein Unrechtsbewusstsein war nicht sehr deutlich ausgeprägt, wie man aus einem Brief ersehen kann, den er an König Friedrich August richtete, um seine Taten zu erklären. Er schreibt:

»Was mich verblendete, Verbrecher zu werden, war nicht Eigennutz, ich habe mich nicht bereichert, war nicht die sträfliche Neigung, die Mittel für ein verschwenderisches Leben mir zu verschaffen, dem ich nie mich hingegeben, sondern ein reges Streben für Wissenschaft und Kunst bewog mich, die Sammlungen mir nach und nach anzuschaffen, zu deren Erwerb ich in meinem Vermögen keine Hilfsquellen fand, und so griff ich nach mir anvertrauten Gütern.«
(Ruth Müller-Lindenberg)


Online Lesen
Henzel, Christoph: »Die Schatulle Friedrichs II. von Preußen und die Hofmusik« (Teil 1) , in: Jahrbuch des Staatlichen Instituts für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz 1999. Stuttgart und Weimar: Metzler, 1999 a. S. 36 –66.

Henzel, Christoph: »Die Schatulle Friedrichs II. von Preußen und die Hofmusik« (Teil 2) , in: Jahrbuch des Staatlichen Instituts für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz 2000. Stuttgart und Weimar: Metzler, 2000. S. 175–209.

Literatur
Bäumel, Jutta und June Swann: »Die Schuhsammlung in der Dresdner Rüstkammer. Ein Überblick über die Geschichte und den Bestand«, in: Waffen- und Kostümkunde 38 (1996). S. 3–33.

Henzel, Christoph: »Zu den Aufführungen der großen Oper Friedrichs II. von Preußen 1740–1756 «, in: Jahrbuch des Staatlichen Instituts für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz 1997. Stuttgart und Weimar: Metzler, 1997. S. 9 –57.

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