Kuriosa

Exponat-Nr. 108: Speisenliste aus dem Königlichen Opernhaus | © GStA / Bildstelle

Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz
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I. HA Geheimer Rat, Rep. 36 Hof- und Güterverwaltung, Nr. 2637, fol. 17


Friedrich II. pflegte die Kastraten der Hofoper seine »Singe-Kapaune« zu nennen. Den Begriff hat er nicht erfunden. Sänger, die im Knabenalter einer Operation zur Vermeidung des Stimmbruchs unterzogen worden waren, bezeichnete man auch in Italien, dem Herkunftsland vieler Kastraten, respektlos als »capponi«. Kapaun – oder Kapphahn – ist ein etwas altertümlicher Begriff für ein junges kastriertes Masthähnchen. Auch Kapaun-Gerichte, wie sie Jahrhunderte lang auf den Speisekarten der höfischen und gutbürgerlichen Küche standen, kommen heutzutage in Deutschland nur noch selten auf den Tisch. Im 18. Jahrhundert wurde das zarte und saftige Kapaunfleisch vor allem in den Wintermonaten aufgetragen. Am friderizianischen Hof gab es zu den Redouten (Kostümbällen), die im Apollo-Saal des Opernhauses stattfanden, häufig Kapaun-Gerichte, wie erhaltene Speisezettel belegen. So wurden beispielsweise zur Redoute am 29. Dezember 1744 abends an der Königstafel im Hauptgang mehr als 15 verschiedene Gerichte serviert, u. a. Pasteten von Kalbsbrust mit Muscheln und Hamburger Kapaunen mit Austern. Die Köche am preußischen Hof bereiteten Speisen nach Rezepten aus verschiedenen europäischen Küchen zu. Kartoffeln, die Friedrich seinen Untertanen als Nahrungsmittel empfahl, aß der König allerdings wohl, wenn überhaupt, nur selten. Sie finden sich nicht auf den überlieferten Zutatenlisten. Dagegen konnte man im Opernhaus ein Genussmittel amerikanischen (mexikanischen) Ursprungs bekommen: Schokolade.
150 Jahre nach dem Niedergang des Kastraten-Gesanges geriet auch die Kastration und Mast junger Hähne zum Zwecke höheren Krähens und fetteren Gedeihens in Misskredit. Tierschützer weisen darauf hin, dass der operative Eingriff, der beim echten Kapaun auch die Entfernung von Kamm und Bartlappen einschließt, Tierquälerei ist.
(Claudia Terne)


Literatur
Haedler, Manfred: »›Mein entzückendes Zauberschloß‹. Die Baugeschichte der Lindenoper.« In: Apollini et Musis. 250 Jahre Opernhaus Unter den Linden. Hrsg. von Georg Quander. Frankfurt a. M. und Berlin, 1992. S. 343–368.

Maehter, Bernd: »Kochen für den König. Der fridericianische Hof im Spiegel der Speisezettel und Hofrechnungen«, in: Friedrich der Große und der Hof (Friedrich 300 – Colloquien).
Online-Publikation 2010: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-hof/Maether_Kochen (Aufruf: 4.2.2012)

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