Die Personen und ihre Darsteller bei der UA am 6. Januar 1755

Montezuma, Kaiser von Mexico (Amadori)
Eupaforice, Königin von Tlascala, verlobt mit Montezuma (Astrua)
Tezeuco, Bedienter der Kaiserlichen Krone (Romani)
Pilpatoè, Kaiserlicher General (Paolino)
Erixene (Erissena), Vertraute der Königin (Gasparini)
Ferdinando Cortes, Haupt der Spanier (Porporino)
Narves, Spanischer Hauptmann (Martinengo)


Die Handlung spielt in Mexico.

Dekorationen: kgl. Architekt und Dekorateur Giuseppe Galli Bibiena
Ballette: kgl. Ballettmeister Jean-Baptiste Denis
Musik: kgl. Kapellmeister Carl Heinrich Graun

Bühnenbilder
I. Akt:
Drei große Palmengänge im kaiserlichen Garten Gemächer der Königin

II. Akt:
Platz am Ufer des Flusses, der die Stadt teilt Vorhof des Kaiserlichen Palastes Kaiserlicher Garten

III. Akt:
Gefängnis
großer mit Säulen umgebener Hof; in der Ferne sieht man die Stadt Mexico, die in Brand gesetzt wird.

Amadori
Die Titelrolle des Montezuma sang der unter dem Namen Amadori bekannte Alt-Kastrat Giovanni Tedeschi. Amadori war ein Schüler Antonio Bernacchis (1690–1756) und selbst als Gesangslehrer tätig. Er kam 1754 als Nachfolger von Giovanni Carestini (1700–1760) nach Berlin, der sein Engagement an der Hofoper wenige Monate vor der Uraufführung beendet hatte. Carestini, vormals einer der erfolgreichsten Kastraten seiner Zeit, hatte in Berlin enttäuscht. Auch Amadori blieb nur für die Saison 1754/1755, da seine Stimme weder dem König noch Graun gefiel.

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Giovanna Astrua
Die Primadonna Giovanna Astrua (ca. 1720–1757) war die erste Darstellerin der Eupaforice. Sie galt als eine der größten Sängerinnen ihrer Zeit und sang an der Berliner Hofoper von 1747 bis 1756. Das Ende ihres Engagements im Jahre, in dem der Siebenjährige Krieg ausbrach, hatte gesundheitliche Gründe. Friedrich II. schrieb ihr eine Pension aus, doch sie konnte nicht mehr lange davon profitieren: Nur ein Jahr später verstarb sie. An der Berliner Hofoper gehörte sie mit einer Jahresgage von über 4700 Talern beim Gesangspersonal zu den Spitzenreitern. Friedrich II., der die Astrua als Sängerin sehr schätzte, machte immer wieder Zugeständnisse, um sie in Berlin zu halten. Ihr divenhaftes Wesen, das häufig auch zum Streit im Ensemble führte, konnte er allerdings nur schwer ertragen. In einem Brief machte er sich mit diesem Stoßseufzer Luft:
»Man saget in Berlin die Astrua währe Wieder rapelköpisch (...) Gott bewahre.«

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Giovanna Gasparini
Giovanna Gasparini (1707–1776) wurde bereits 1741 für das Berliner Opernensemble engagiert. In Rodelinda, der ersten italienischen Oper, die nach der Thronbesteigung Friedrichs II. in der preußischen Hauptstadt aufgeführt wurde, sang sie die Titelpartie und ihre erste Rolle als Primadonna. Als Giovanna Astrua 1747 ins Ensemble kam, rückte sie auf den zweiten Platz und wurde Seconda donna. In der Montezuma-Uraufführung sang sie die Rolle der Erissena. Giovanna Gasparini gehörte dem Berliner Opernensemble bis zum Jahre 1774 an. Sie stand auch bei der Neuproduktion von Montezuma 1771 auf der Bühne, und zwar als Eupaforice.

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Antonio Romani
Den Part von Montezumas Diener Tezeuco sang der Tenor Antonio Romani (gest. 1768). Romani war Zeit seines Wirkens in Berlin von 1743 bis 1768 der einzige Tenor der Königlichen Oper. Hofkomponist Carl Heinrich Graun, selbst ausgebildeter Tenorsänger, schrieb ihm zahlreiche anspruchsvolle Rollen auf den Leib. Romani scheint die Erwartungen des Königs und des Berliner Publikums stets erfüllt zu haben.

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Paolino
Der aztekische General Pilpatoè, der in Montezuma die Funktion des Ratgebers hat, wurde von Paolo Bedeschi, genannt Paolino (1727–1784) gegeben. Als Fünfzehnjähriger kam der Sopran-Kastrat aus Bologna 1742 nach Berlin, wo er weiteren Gesangsunterricht erhielt, vor allem durch Hofkapellmeister Graun. Paolino, ein Mann der zweiten Reihe, war 42 Jahre lang Ensemble-Mitglied an der Hofoper. Obwohl er selten größere Rollen sang, gehörte er über Jahre zu den Publikumslieblingen. In der Wiederaufführung des Montezuma 1771 durfte Paolino
immerhin die Partie des Cortes übernehmen.

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Porporino
Den Cortes sang 1755 Antonio Uberti (1719–1783), genannt Porporino, ein langjähriges Ensemble-Mitglied der Königlichen Hofoper. Der von Friedrich II. außerordentlich geschätzte Alt-Kastrat stammte aus Verona und war Sohn eines Deutschen. Bereits im Kindesalter – nach einer angeblichen Unterleibsverletzung infolge eines Unfalls – erhielt er Gesangsunterricht. Besonders gefördert wurde sein Talent von dem als Gesangslehrer berühmten Komponisten Nicola Porpora (1686–1768). Porpora, zu dessen zahlreichen Schülern auch die berühmten Gesangsstars Farinelli (1705–1782) und Caffarelli (1710–1783) zählten, soll Uberti zu seinem Lieblingsschüler erkoren haben. Dessen Künstlername Porporino leitet sich vom Nachnamen des Lehrers ab. Kurz nach seinem Debüt 1740 entdeckte Graun ihn während einer Italienreise und holte ihn nach Berlin. Auf der Bühne verkörperte Porporino mit offenbar großem darstellerischen Talent vor allem herrschaftliche Persönlichkeiten. Außerhalb der Oper sang er bei Konzerten in den Schlössern Berlin, Charlottenburg und Potsdam und im Krieg auch in den Feldlagern Friedrichs. Friedrich II. komponierte für ihn Arien und schrieb Verzierungen zu einer Arie aus der Oper Cleofide von Johann Adolf Hasse (Exp.-Nr. 72).

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Martinengo
Die Rolle des spanischen Hauptmanns Narves übernahm der Kastrat Martinengo, über den wenig bekannt ist. Er verließ nach der Saison 1754/1755 Berlin mit unbekanntem Ziel. Vermutlich missfiel dem König Martinengos Stimme. 1771 sang Giovanni Coli (1748–1801) den Naives.

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(Claudia Terne)


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Zeitungsberichte über die Königliche Hofoper (1742 –1754)

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