Zur Conquista

Exponat-Nr. 89: Hernán Cortés: »Von dem Newen Hispanien, so im Meer gegem Nidergang (...)«, Augsburg 1550

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4" Ux 2209 (R) | Titelblatt


Hernán Cortés wurde 1485 in Kastilien als Sohn einer Familie aus dem niedrigen spanischen Adel geboren. Sein Studium an der Universität von Salamanca brach er nach zwei Jahren ab und schiffte sich 1504 in Richtung der Neuen Welt ein. Nachdem er an der Conquista Hispaniolas und Kubas teilgenommen hatte, entwickelte sich seine militärische Laufbahn schnell. 1519 brach er zur mittelamerikanischen Küste auf, um unbekannte Gebiete zu erkunden.
Seine Briefe an Karl V. – die ersten offiziellen Berichte über Zentralamerika und seine Völker, über Moctezuma und das Aztekenreich – sind ein exzellenter Beweis seiner militärischen und intellektuellen Fähigkeiten.
Am Anfang des zweiten Briefes (30. Oktober 1519), in dem er die Entdeckung und den ersten Versuch, Tenochtitlan zu erobern schildert, verweist er auf die Schwierigkeit, die vorgefundenen Wunder zu beschreiben:

»Dennoch will ich von dem, was ich gesehen, so gut ich kann, etliches berichten. Und obschon ich dies in ungezierter Rede vorbringe, so wird es doch viel Verwunderung erregen und wohl gar unglaubhaft erscheinen. Ich, der ich es mit leiblichen Augen gesehen habe, kann es doch selber mit dem Verstand kaum begreifen.«

Zum besseren Verständnis vergleicht Cortés alles, was er sieht, mit Elementen der spanischen Realität:

»Die große und reiche Hauptstadt, Temixtitan geheißen, liegt mitten im großen Salzsee. Sie ist so groß wie Sevilla oder Cordova.«
»Der Hauptplatz in der Mitte der Stadt, doppelt so groß wie der von Salamanca, ist rings von Säulenhallen umgeben. Tag und Tag kommen hier 60.000 Menschen zusammen, um zu kaufen und zu verkaufen.«
»In Temixtitan gibt es viele Moscheen, gar prächtig erbaut, in denen die Götzen des Landes verehrt werden. (...) Die Hauptmoschee steht auf einem großen Platze, dessen Umkreis von einer acht Fuß hohen Mauer umzogen ist. Ihr gesamter Bereich ist so weit, daß man darin Häuser für 500 Menschen bauen könnte. (...) Der Tempel selbst ist höher als die Kathedrale von Sevilla.«


Die Vergleiche helfen dabei, sich die enorme Größe des Entdeckten vorzustellen, nährten aber auch die Begierde nach Eroberungen. Die Stadt Tenochtitlan wird wie eine der mythischen Städte im Orient beschrieben: dicht bevölkert, mit exotischen Gebäuden und einem großen Markt, der den ganzen Reichtum an Produkten des Landes anbietet. Die zahlreichen ›Moscheen‹ rechtfertigen aus der Perspektive Cortés’ eine Eroberung, mit dem Ziel, die Ungläubigen zu bekehren.
(Vicente Bernaschina)


Literatur
Cortés, Hernán: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes. Mit den eigenhändigen Berichten des Feldherrn an Kaiser Karl V. von 1520 und 1522. Hrsg. von Arthur Schurig. Leipzig: Insel-Verlag, 1923.

Todorov, Tzvetan: Die Eroberung Amerikas. Das Problem des Anderen. Übers. von Wilfried Böhringer. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1985.

López de Gómara, Francisco: Historia general de las Indias y vida de Hernán Cortés. Edición de Jorge Gurria Lacroix. Caracas: Ayacucho, 2 /1991 (Biblioteca Ayacucho 64).

Pagden, Anthony: European Encounters with the New World: From Renaissance to Romanticism. New Haven und London: Yale University Press, 1993.

Ette, Ottmar: »Vom Auftauchen Amerikas zum Verschwinden Europas«, in: Ders.: Literatur in Bewegung. Raum und Dynamik grenzüberschreitenden Schreibens in Europa und Amerika. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft, 2001. S. 85–117.

Díaz del Castillo, Bernal: Historia verdadera de la conquista de México (manuscrito »Guatemala«). Edición crítica de José Antonio Barbón Rodríguez. México D. F.: El Colegio de México, 2005.

Solis y Ribadeneira, Antonio de: Geschichte der Eroberung von Mexiko. Erster Band. Aus dem Spanischen von L. G. Förster, in: Geschichte der außereuropäischen Staaten. Hrsg. von mehreren Gelehrten. Dritter Band. Quedlinburg – Leipzig: Basse, 1838. S. 251–253.

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