Zur Conquista

Exponat-Nr. 96: Kopf eines Macehualli (aztekisch), Mitte 14. Jahrhundert bis 1521

Stein
© Staatliche Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz
Ethnologisches Museum

IV Ca 393, Sammlung Uhde, 1862
Fotograf: Martin Franken


Die Azteken waren Meister der Steinskulptur. Neben Darstellungen von Gottheiten entstanden auch Figuren wie der Kopf der macehualli-Skulptur (macehualli, Plural: macehualtin, freie Bauern des Aztekenreichs). Er zeigt den typischen statischen Gesichtsausdruck.
Aus der Geschichte der Azteken ist bekannt, dass Tenochtitlan sich um 1427 auf einen Krieg gegen das Reich von Azcapotzalco vorbereitete. Die macehualtin, die sich am Konflikt zwischen den Adelsschichten beider Reiche nicht beteiligen wollten, baten den tlatoani Itzcoatl, die Stadt verlassen zu dürfen. Um ihre Unterstützung zu gewinnen, versprach der aztekische Adel ihnen jedoch, bei einer Niederlage die Rollen zu tauschen und ihnen Reichtümer zu überlassen. Im Fall eines Sieges gelobten die macehualtin ihrerseits, die Autorität der Adligen anzuerkennen und ihnen Tribute zu zahlen. Da die Azteken siegten, blieben die macehualtin, was sie waren: einfache Bauern. In der Zeit der Herrschaft Moctezumas II. (1502–1520) bestand die Kleidung der macehualtin ausschließlich aus Fasern der Sisalagave. Sie durften weder Sandalen tragen noch Schmuck aus Edelmetall und Jade besitzen oder anlegen. Die Skulpturen von macehualtin spiegeln diese Verbote und Reglementierungen. Dennoch wirken sie wie Verkörperungen der Kraft, die die aztekische Welt trug.
(Vicente Bernaschina)


Literatur
Matos Moctezuma, Eduardo und Felipe Solís Olguín (Hrsg.): Azteken (Ausst. Berlin 2003). Katalogbearb. David Breuer / Jürgen Geiger. Köln: DuMont, 2003.

McEwan, Colin und Leonardo López Luján (Hrsg.): Moctezuma. Aztec Ruler (Ausst. London 2009 / 10). London: British Museum Press, 2009.

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