Zur Conquista

Exponat-Nr. 100: »Quetzalcoatl | Gefiederte Schlange mit Menschenkopf im Rachen« (aztekisch) Mitte 14. Jahrhundert bis 1521

Stein
Staatliche Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz
Ethnologisches Museum

IV Ca 3744, Sammlung Uhde, 1862


Der Schöpfergott Quetzalcoatl war eine der wichtigsten mittelamerikanischen Gottheiten. Man findet ihn sowohl bei den Azteken als auch bei den Maya und den Quiché, die ihn Kukulcan bzw. K’ukumatz nannten. Sein Name bedeutet wörtlich auf Nahuatl »gefiederte Schlange« (quetzal = Quetzalvogel, coatl = schlange). Es gab unterschiedliche Darstellungen des Gottes. Am weitesten verbreitet war diejenige einer Schlange mit einem menschlichen Gesicht im aufgerissenen Maul. Im Gegensatz zu gefiederten Schlangen, die nichts im Rachen tragen, verweist sie direkt auf die Gottheit, da Quetzalcoatl gemäß aztekischen Erzählungen die Fähigkeit besaß, sich sowohl in eine Schlange zu verwandeln als auch menschliche Gestalt anzunehmen.
Schlangen verschlingen ihr Opfer als Ganzes, was als vollständige Vereinnahmung der Beute interpretiert wurde; außerdem wechseln sie ihre Haut, was man als Symbol für Verwandlung und Wiedergeburt deutete.
Sowohl bei Cortés als auch bei anderen Geschichtsschreibern, die die Begegnung zwischen Moctezuma II. und dem Eroberer schildern, spielen Quetzalcoatl und die Idee der Wiedergeburt eine wichtige Rolle: Nach einer Legende der Azteken hatte Quetzalcoatl das Reich verlassen und sich über das Meer in Richtung Osten entfernt. Er hatte jedoch versprochen, seine Erben würden eines Tages zurückkehren und die Herrschaft wieder übernehmen. Wie Cortés und andere berichten, erzählte Moctezuma selbst diese Legende. Er hielt die von Osten über das Meer gekommenen Spanier für Gesandte des Quetzalcoatl und Karl V. für einen von dessen Nachkommen. Diese Geschichte war für die Eroberer in zweierlei Hinsicht nützlich: Sie konnte erklären, warum Moctezuma die Spanier freundlich empfangen hatte, und sie konnte die Herrschaft der Spanier über das Aztekenreich rechtfertigen.
(Vicente Bernaschina)


Literatur
Miller, Mary Ellen und Karl A. Taube: The Gods and Symbols of Ancient Mexico and the Maya. An Illustrated Dictionary of Mesoamerican Religion. London: Thames and Hudson, 1993.

Matos Moctezuma, Eduardo und Felipe Solís Olguín (Hrsg.): Azteken (Ausst. Berlin 2003). Katalogbearb. David Breuer / Jürgen Geiger. Köln: DuMont, 2003.

McEwan, Colin und Leonardo López Luján (Hrsg.): Moctezuma. Aztec Ruler (Ausst. London 2009 / 10). London: British Museum Press, 2009.

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