Zur Conquista

Exponat-Nr. 103: Tlapitzalli | Kernspaltflöte (aztekisch), Mitte 14. Jahrhundert bis 1521

Ton, z. T. polychrom bemalt
© Staatliche Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz
Ethnologisches Museum

IV Ca 2533, Sammlung Uhde, 1862


Der Klang des Tlapitzalli, einer Kernspaltflöte aus Ton, wurde gewöhnlich mit dem Gott Tezcatlipoca (»der rauchende Spiegel«) verbunden, der in seiner Widersprüchlichkeit eine der faszinierendsten Gottheiten der postklassischen Epoche in Zentralmexiko war. Man kannte ihn als Gott der Nacht, der nächtlichen Winde und der Orkane, aber vor allem als Gottheit, die die durch Spannungen – beispielweise zwischen Schöpfung und Zerstörung oder Glück und Katastrophe – hervorgerufenen Veränderungen verkörperte. Man verehrte ihn dadurch, dass man regelmäßig einen jungen Mann auswählte, der ihn ein Jahr lang darstellen sollte. Sein Attribut war das Flötenspiel. Nach Ablauf des Jahres musste er die Stufen zum Tempel hinaufsteigen und vier Flöten zerbrechen, die die Himmelsrichtungen symbolisierten. Schließlich legte er sich auf den Opferstein, wo ihm das Herz herausgeschnitten wurde.
Die Bedeutung der Flöte liegt nicht nur in der religiös bedeutsamen Art der Tonerzeugung, sondern auch in ihrer kelchartigen Form, die an eine Blume erinnert und damit die Idee ausdrückt, dass Instrumentalmusik »Blumenmusik« (xochicuicatl) sei. So wird eine metaphorische Beziehung zwischen Klang und Düften hergestellt: Flöten wurden als Opfergaben und Kommunikationsmittel mit der spirituellen Welt verstanden.
(Vicente Bernaschina)


Literatur
Miller, Mary Ellen und Karl A. Taube: The Gods and Symbols of Ancient Mexico and the Maya. An Illustrated Dictionary of Mesoamerican Religion. London: Thames and Hudson, 1993.

Both, Arnd Adje: Aerófonos mexicas de las ofrendas del Recinto Sagrado de Tenochtitlan. Phil. Diss. FU Berlin 2005, Online-Publikation 2007: http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000002638 (Aufruf: 26.11.2011)

Brenner, Helmut: »Schlachtfeld und Heiligtum: Gebrauch und Funktion von Musikinstrumenten bei Mayas und Azteken im präkolumbischen Mexiko «, in: Bernhard Habla (Hrsg.): Kongressbericht Oberwölz / Steiermark 2004. Tutzing: Schneider, 2006. S. 57–74.

Both, Arnd Adje: »Aztec Music Culture«, in: the world of music, Bd. 49, Nr. 2 (2007): 91–104.
Online-Ausgabe: http://www.mixcoacalli.com/wp-content/uploads/2008/08/both_wom2007-2.pdf (Aufruf: 26.11.2011)

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