Zur Conquista

Exponat-Nr. 85: »Mappa Geographica, complectens I. Indiae Occidentalis Partem Mediam Circum Isthmum Panamensem (...)«, Nürnberg, um 1740

Karte, Kupferstich
© Ibero-Amerikanisches Institut Preußischer Kulturbesitz
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Die Entwicklung der modernen Kartografie ist eng mit der Eroberungsgeschichte der Neuen Welt verknüpft. Da in der Renaissance die ptolemäische Geographie wiederentdeckt wurde und man beim Anfertigen der Karten die euklidische Geometrie anwandte, konnte man die verschiedenen Gebiete der Erde genauer abbilden. Dies war eine der Grundlagen zur Durchsetzung von Expansions- und Handelsinteressen der Imperien, die weltweit um Kolonien zu rivalisieren begannen.
Die Karte zeigt das Gebiet des Golfes von Mexiko, die Landbrücke von Panama und die karibischen Inseln, so wie sie zur Zeit Friedrichs II. dargestellt wurden. Sie ist zum einen interessant, weil sie verschiedene Arten der kartografischen Erfassung sichtbar macht: die Karte Zentralamerikas, Pläne von den wichtigsten Häfen und einen Blick auf die bedeutendste Stadt der Region. Zum andern zeigt sie die privilegierte Situation des Vizekönigreichs Neu-Spanien, das in der Lage war, die Handelsrouten zwischen Europa und der Neuen Welt zu kontrollieren.
Vor diesem Hintergrund erscheint Friedrichs II. Wahl des Conquista-Themas für seine Montezuma-Oper in einer besonderen Perspektive: Vielleicht ging es nicht nur darum, Religions- und Kolonialismuskritik zu betreiben; vielleicht ging es auch darum, Herrschaft geopolitisch zu denken.
(Vicente Bernaschina)


Literatur
Pagden, Anthony: European Encounters with the New World: From Renaissance to Romanticism. New Haven und London: Yale University Press, 1993.

Kagan, Richard L.: Urban Images of the Hispanic World 1493–1793. New Haven und London: Yale University Press, 2000.

Padrón, Ricardo: »The Invention of America and the Invention of the Map«, in: Ders.: The Spacious Word: Cartography, Literature, and Empire in Early Modern Spain. Chicago: University of Chicago Press, 2004. S. 1–44.

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